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 Feministische Substanz Briefe

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christiane



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BeitragThema: Feministische Substanz Briefe   Mi Apr 13, 2011 4:45 pm

Die erste LISA-Mail zu unserer Initiative "Feministische Substanz im Parteiprogramm".

Diese Mail ist gerichtet an:
Conni Möhring, frauenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion
Ulrike Zerhau, Gabi Ohler, frauenpolitische Sprecherinnen des Parteivorstands
Frigga Haug, Kersten Artus
nachrichtlich an die weibliche Parteivorsitzende, stellvertretenden Parteivorsitzenden, Bundesgeschäftsführerin Gesine Lötzsch, Katja Kipping, Sahra Wagenknecht, Halina Wawzyniak, Caren Lay

Berlin, den 31. März 2011

Liebe...,

es gibt in der LINKEN unterschiedliche feministische Positionen. Unsere Unterschiede können strahlen und uns stark machen, wenn wir eine möglichst stabile und belastbare feministische Basis haben. Lass uns darüber reden, wie wir sie miteinander im Programm verankern.

Mit unseren Gemeinsamkeiten und Unterschieden haben wir uns am 26. März auf unserer LISA-Tagung zum Thema Feministische Einwürfe in die Programmdebatte der LINKEN befasst. Wir waren selbst erstaunt, wie substanziell die Gemeinsamkeiten von Feministinnen in der LINKEN schon jetzt sind. Wir sehen (als offene Sammlung in Stichpunkten) vor allem diese:

• Wir brauchen im Parteiprogramm eine Patriarchatskritik und eine Strategie zur Überwindung des Patriarchats;
• Orientierungen, wie wir den Kampf um die Aneignung von Zeit verbinden mit dem Kampf gegen Ausbeutung, Armut, Ausgrenzung und Verachtung, Entfremdung, Krieg (auch im Namen von Frauenrechten) und Zerstörung der Natur; dazu gehört nicht zuletzt, radikale Arbeitszeitverkürzung als Gesellschafts- und Geschlechterpolitik;
• unsere Reformalternativen nach der Geschlechterperspektive aufschlüsseln, etwa in der Rentenfrage, guter Arbeit etc.;
• gleiche Rechte so, dass wir nicht die bestehenden Strukturen festigen, sondern den Charakter von Macht verändern;
• die Wirklichkeit von Gewalt an Frauen und Kindern und unsere wichtigsten Forderungen dazu aufnehmen;
• ebenso die Privatisierung und Vermarktung des „Privaten“ und des menschlichen Körpers;
• Subjekte der Veränderung benennen;
• Frauen formulieren eine allgemeine Befreiungsperspektive für ein selbstbestimmtes Leben, die über den Kapitalismus hinaus reicht.

Wir gehen davon aus: Eine feministische Substanz muss bereits der Leitantrag enthalten, denn der wird in der Debatte zwar verändert, aber erfahrungsgemäß nicht in seinem Kern. Zurzeit sind bereits viele, tiefgründige Papiere mit unseren feministischen Auffassungen in der Diskussion. Lasst sie uns im Konsens zusammenführen, bündeln, einander ergänzen, um unseren Forderungen Durchsetzungsfähigkeit zu verleihen. Entsprechend wären ausreichend vor der Parteivorstandstagung vom 21./22. Mai ausformulierte Änderungen einzureichen, ein ehrgeiziges Ziel, bei gutem Willen aber erreichbar. Machst Du mit?

Wenn wir jetzt ein deutliches Zeichen aussenden, dass wir miteinander und nicht gegeneinander für eine feministische Substanz im Parteiprogramm etwas tun, ermutigen und stärken wir alle linksaktiven Frauen und öffnen einen Weg, wie sie sich kraftvoll in diesen Prozess einbringen können. Und wir erhöhen die Chancen für ein Parteiprogramm mit feministischer Handschrift enorm. Davor aber müssen wir intensiv, offen, kritisch und zugleich vertrauensvoll miteinander reden. Denn wertvoll werden unsere Gemeinsamkeiten nicht zuletzt im Verhältnis zu unseren weiter bestehenden Unterschieden.

Wir wollen uns mit Dir und anderen in einem Raum bewegen, in dem linksaktive Frauen und Feministinnen ohne patriarchale Bevormundung und Zensur zunächst ihre eigenen Vorstellungen besprechen.

Uns ist bewusst, dass wir mit unserer Initiative ziemlich spät dran sind, aber wir hoffen trotzdem, dass sie zustande- und vor allem zu einem Ergebnis kommt.

Im Wunsch, dass wir uns rasch virtuell und dann auch life an einen Tisch setzen und

mit feministischen Grüßen
im Auftrag des LISA-Bundestreffens

Christiane Reymann











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christiane



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BeitragThema: Re: Feministische Substanz Briefe   Mi Apr 13, 2011 4:56 pm

christiane schrieb:
Anfangs die erste LISA-Mail zu unserer Initiative "Feministische Substanz im Parteiprogramm". Dahinter folgt dann die zweite Erinnerungsmail vom 05. April.

Diese Mail ist gerichtet an:
Conni Möhring, frauenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion
Ulrike Zerhau, Gabi Ohler, frauenpolitische Sprecherinnen des Parteivorstands
Frigga Haug, Kersten Artus
nachrichtlich an die weibliche Parteivorsitzende, stellvertretenden Parteivorsitzenden, Bundesgeschäftsführerin Gesine Lötzsch, Katja Kipping, Sahra Wagenknecht, Halina Wawzyniak, Caren Lay

Berlin, den 31. März 2011

Liebe...,

es gibt in der LINKEN unterschiedliche feministische Positionen. Unsere Unterschiede können strahlen und uns stark machen, wenn wir eine möglichst stabile und belastbare feministische Basis haben. Lass uns darüber reden, wie wir sie miteinander im Programm verankern.

Mit unseren Gemeinsamkeiten und Unterschieden haben wir uns am 26. März auf unserer LISA-Tagung zum Thema Feministische Einwürfe in die Programmdebatte der LINKEN befasst. Wir waren selbst erstaunt, wie substanziell die Gemeinsamkeiten von Feministinnen in der LINKEN schon jetzt sind. Wir sehen (als offene Sammlung in Stichpunkten) vor allem diese:

• Wir brauchen im Parteiprogramm eine Patriarchatskritik und eine Strategie zur Überwindung des Patriarchats;
• Orientierungen, wie wir den Kampf um die Aneignung von Zeit verbinden mit dem Kampf gegen Ausbeutung, Armut, Ausgrenzung und Verachtung, Entfremdung, Krieg (auch im Namen von Frauenrechten) und Zerstörung der Natur; dazu gehört nicht zuletzt, radikale Arbeitszeitverkürzung als Gesellschafts- und Geschlechterpolitik;
• unsere Reformalternativen nach der Geschlechterperspektive aufschlüsseln, etwa in der Rentenfrage, guter Arbeit etc.;
• gleiche Rechte so, dass wir nicht die bestehenden Strukturen festigen, sondern den Charakter von Macht verändern;
• die Wirklichkeit von Gewalt an Frauen und Kindern und unsere wichtigsten Forderungen dazu aufnehmen;
• ebenso die Privatisierung und Vermarktung des „Privaten“ und des menschlichen Körpers;
• Subjekte der Veränderung benennen;
• Frauen formulieren eine allgemeine Befreiungsperspektive für ein selbstbestimmtes Leben, die über den Kapitalismus hinaus reicht.

Wir gehen davon aus: Eine feministische Substanz muss bereits der Leitantrag enthalten, denn der wird in der Debatte zwar verändert, aber erfahrungsgemäß nicht in seinem Kern. Zurzeit sind bereits viele, tiefgründige Papiere mit unseren feministischen Auffassungen in der Diskussion. Lasst sie uns im Konsens zusammenführen, bündeln, einander ergänzen, um unseren Forderungen Durchsetzungsfähigkeit zu verleihen. Entsprechend wären ausreichend vor der Parteivorstandstagung vom 21./22. Mai ausformulierte Änderungen einzureichen, ein ehrgeiziges Ziel, bei gutem Willen aber erreichbar. Machst Du mit?

Wenn wir jetzt ein deutliches Zeichen aussenden, dass wir miteinander und nicht gegeneinander für eine feministische Substanz im Parteiprogramm etwas tun, ermutigen und stärken wir alle linksaktiven Frauen und öffnen einen Weg, wie sie sich kraftvoll in diesen Prozess einbringen können. Und wir erhöhen die Chancen für ein Parteiprogramm mit feministischer Handschrift enorm. Davor aber müssen wir intensiv, offen, kritisch und zugleich vertrauensvoll miteinander reden. Denn wertvoll werden unsere Gemeinsamkeiten nicht zuletzt im Verhältnis zu unseren weiter bestehenden Unterschieden.

Wir wollen uns mit Dir und anderen in einem Raum bewegen, in dem linksaktive Frauen und Feministinnen ohne patriarchale Bevormundung und Zensur zunächst ihre eigenen Vorstellungen besprechen.

Uns ist bewusst, dass wir mit unserer Initiative ziemlich spät dran sind, aber wir hoffen trotzdem, dass sie zustande- und vor allem zu einem Ergebnis kommt.

Im Wunsch, dass wir uns rasch virtuell und dann auch life an einen Tisch setzen und

mit feministischen Grüßen
im Auftrag des LISA-Bundestreffens

Christiane Reymann


Von: Christiane Reymann
Datum: 5. April 2011 00:27:42 MESZ
An: Conni Möhring
Betreff: LISA-Brief, bitte um Antwort

Liebe Conni (mit i!),

den Brief unten habe ich an Gabi Ohler und an Ulrike Zerhau geschickt. Ich möchte ihn Dir zur Kenntnis geben, damit Du alles kennst. Denn ich bin ein bisschen verunsichert und möchte Dich nicht nerven. Vielleicht betrachtest Du Deine SMS an Conny (mit Y) Swillus-Knöchel von Sonntag, den 27. März, bereits als Antwort? Wenn ja, dann leite mir doch bitte Deine SMS auf mein Handy weiter, damit ich sie korrekt wiedergeben kann. Wenn nein, freue ich mich auf Deine Antwort.

Mit feministischen Grüßen
Christiane


Liebe Gabi,

am 31. April hat Dir Lisa einen Brief geschrieben, zu dem wir gern sehr rasch eine Antwort hätten. Ich hänge Dir den Brief noch einmal an, nicht mit dem schönen LISA-Kopf, der ist auf meinem anderen Rechner, sondern ganz profan, aber nicht weniger herzlich und ernsthaft.

Wichtig ist uns, mit linksaktiven Frauen und Feministinnen in und bei der LINKEN einen Weg zu finden, auf dem wir gemeinsam und damit viel kraftvoller in der Programmdebatte agieren, als wir es in der Summe von Einzelanträgen je könnten. Dem angehängten Brief kannst Du entnehmen, dass wir uns gründlich mit den bislang vorgetragenen feministischen Positionen auseinandergesetzt - und erstaunlich viele Übereinstimmungen festgestellt haben! Die werden jedoch nur zum Tragen kommen, wenn alle Beteiligten das Gemeinsame wirklich wollen und in einem gewissen Vertrauen miteinander zu arbeiten bereit sind. LISA ist dazu bereit und, so hoffen wir bangend, auch in der Lage, weil wir miteinander als LISA-Frauen das ganze Spektrum feministischer und linksaktiver Positionen unter uns haben. Um unserer selbst willen sind wir schon daran interessiert, zugunsten einer feministischen Substanz im Parteiprogramm aufeinander zuzugehen. Gleichzeitig sind wir aus Mut machenden wie aus Erfahrungen von Niederlagen überzeugt, wir brauchen in einem ersten Schritt einen von patriarchaler Bevormundung, Beurteilung, Zensur freien Raum, um zunächst unsere Differenzen und Gemeinsamkeiten zu definieren, bevor wir uns in das Getümmel innerparteilicher Auseinandersetzungen um das Programm stürzen. Diesen Raum (und diese Zeit) haben sich Feministinnen und linksaktive Frauen für ihre Interventionen in die Programmdebatte noch nicht geschaffen. Aber wir können das hinkriegen - wenn wir es nur wollen, und zwar, BEVOR der Parteivorstand Ende Mai seinen Leitantrag berät und dann verabschiedet.

Einige der Schnittstellen, die wir sehen, werden sich nur in einem offenen, vielleicht schwierigen Prozess der Auseinandersetzung als Gemeinsamkeiten herausschälen. Dabei denken wir vor allem an den Arbeitsbegriff (wir LISA-Frauen reden eher von der Arbeitswirklichkeit und ihrer Veränderung) und an die Aneignung von Zeit in Verbindung mit Kämpfen gegen Entfremdung, gegen die Ausbeutung von Mensch und Natur, Armut, Ausgrenzung, gegen Krieg, auch im Namen von Frauenrechten, und an entsprechende Befreiungsstrategien. Hier sehen wir aktuell beides, wichtige Gemeinsamkeiten (im Verhältnis zu patriarchalem Denken) und wichtige Differenzen (von Feministinnen untereinander). Diese Art Differenzen möchten wir aber nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern bearbeiten und kämpferisch wenden.

Uns interessiert jetzt, was Du als eine der frauenpolitischen Sprecherinnen des Parteivorstandes von unserer Initiative hältst und ob resp. wie Du sie unterstützen möchtest. Oder hast Du eine viel bessere Idee?

Antworte uns doch bitte gleich innerhalb weniger Tage, wir haben nicht mehr so viel Zeit.

Mit feministischen Grüßen
im Auftrag des LISA-Bundestreffens

Christiane

P.S. Wir haben in LISA eine kleine Arbeitsgruppe für diese Initiative gebildet. Ihr gehören zusätzlich Sandra Beyer an, Nanni Rietz-Heering, Conny Swillus-.Knöchel, Christel Buchinger, Elke Hoheisel. Ihnen gebe ich diese Mail zur Kenntnis. Deine Antwort werden wir LISA mitteilen, schließlich ist der Brief an Dich ein kollektiver.













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