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 neues von Lafontaine-Müller - neoliberal-reaktionär

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BeitragThema: neues von Lafontaine-Müller - neoliberal-reaktionär   Mi Sep 26, 2007 9:52 pm

Liebe Frauen, liebe Freundinnen und Freunde,

für den 28. September 2007 hat die Linke.Saar zu einer familienpolitischen Fachkonferenz eingeladen. Vorgesehen sind diverse Referate, ob Diskussion vorgesehen ist, ist aus dem Programm nicht ersichtlich. Hochkarätig kommt das ganze daher. Sowohl der neu gekürte Landesvorsitzende Linsler als auch Christa Müller, die sich für den Landesvorstand nicht mehr bewarb und nun bei einer Landesvorstandssitzung noch schnell zur familienpolitischen Sprecherin ernannt wurde, Partei- und Fraktionsvorsitzender Lafontaine sind als ReferentInnen vertreten. (Oskar L. mit dem dämlichsten aller möglichen Themen, der sog. "Wahlfreiheit".)

Die anderen Redner, es sind dann alles Männer, eine Frau darf moderieren, sind sog. Experten, deren Meinung der Linke.Saar wohl wichtig sind. Doch welche Experten werden da ins Saarland zur offiziellen Eröffnung der Offensive für eine reaktionäre Familienpolitik der Linken gerufen?

Fangen wir mit Wolfgang Bergmann an, der sich als erfolgreicher Kindertherapeut hervor tut, seine praktischen Erfolge in seinen Büchern vermarktet und dabei ganz nebenbei neue Familienideologie fabriziert. Für ihn ist glasklar, dass die alten Frauen- und Männermodelle für die Erziehung der Kinder viel besser geeignet sind als die neuen, ja, die neuen sind eigentlich schon Teil des Problems, unserer Bildungs- und Erziehungskatastrophe. „Die Kunst der Elternliebe“ ist eine seiner Veröffentlichungen, in denen er die seines Erachtens sehr unterschiedlichen und genau aufgeteilten Rollen, die beiden Elternteilen in der Erziehung zukommen sollten ("Mütter und Väter sind verschieden") erklärt. Den "weichen oder mütterlichen Vätern", die die Unterschiede zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit nicht genügend betonen würden und damit kindlichen Bedürfnissen zuwiderliefen ("Kinder mögen Unsicherheit  bei Papa nicht. Sie können sie auf den Tod nicht ausstehen"), setzt er ein Vaterideal entgegen, dass stark an traditionellen Geschlechterrollen orientiert ist ("Väter sind Männer, basta") http://www.socialnet.de/rezensionen/3432.php.

Das scheinen viele Männer der Linken, die diese Einstellung heimlich über die Zeiten gerettet haben, gerne hören und so ist auch nicht verwunderlich, dass die Anhängerzahl von Christa Müllers Familienkonzept, das bei dieser Veranstaltung ja verkauft werden soll, wächst.

Berührungsängste mit Lebensschützern hat Bergmann so wenig wie Christa Müller nicht, "Christen für das Leben" steht angeblich dem Opus Dei nah, jener Pressure Group, die nicht davor zurück schreckte, faschistische Putsche mit vorzubereiten. Er hat 2006 bei CDL Niedersachsen eine Vortrag gehalten (der im Netz aber nicht mehr zugänglich ist, weil die Website von CDL Niedersachsen offensichtlich vom Netz genommen wurde). Auf der Website von CDL taucht als Unterstützerin Eva Herman auf, von der Christa Müller ja behauptete, dass sie ähnliche Vorstellung habe, sie selber sei aber viel konsequenter.
Christa Müller wird Wolfgang Bergmann übrigens in Kürze wieder treffen: „Weniger Staat – Mehr Eltern: Wie Familienpolitik wieder Politik für Familien werden kann“ ist der Titel einer Veranstaltung des sog. Familiennetzwerks, das CDL nahe steht und bei dem Christa Müller sicher sehr engagiert NICHT die familienpolitischen Forderungen der Linken vortragen wird, sondern ihre eigenen und die ihres eigenen Familiennetzwerks, das sie gerade in der Linken aufbaut. Sie sitzt dabei im Podium mit weiteren Gesinnungsgenossen, z.B. Johannes Singhammer, MdB der CDU/CSU. Bei dieser Veranstaltung wird auch Jürgen Borchert anzutreffen sein, der ebenfalls bei der eingangs erwähnten Fachkonferenz der Linken raten darf und zu dem weiter unten noch etwas zu sagen ist.

Und wer ist nun das Familiennetzwerk?
In taz steht:
Das "Deutsche Familiennetzwerk" besteht aus rund 60 Gruppierungen, die fast alle einem konservativ-christlich geprägten Familienbild verpflichtet sind. Auch Lebensschützer sind darunter. Ferner die politisch rechts außen angesiedelte "Staats- und Wirtschaftspolitische Gesellschaft" Hamburg. Teil des Netzwerks sind aber auch die "Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer" (ASU) und der einstmals im Dunstkreis der Frauenbewegung als "Deutsche Hausfrauengewerkschaft" gegründete "Verband der Familienfrauen und -männer". Träger des "Familiennetzwerks" ist der "Familien e. V.", eine "Initiative für Mütter", die nach eigenen Angaben aus etwa 250 Beitrag zahlenden Mitgliedern besteht. Bekanntes Fördermitglied ist auch hier Eva Hermann. Was zeigt, dass ihre Aussage über den Wert der Familie im Faschismus mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Ausrutscher war sondern ihre nähe zu rechts aussen als allgemein zutreffend angenommen werden kann.

Eine weitere Veranstaltung dieses ominösen Netzwerks verantwortet die Paneuropa-Union, die sich dadurch auszeichnet, dass sie ultrarechts aber nicht völkisch ist.

Zur Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft sagt Wikipedia:
Die Staats- und Wirtschaftspolitische Gesellschaft (SWG) ist ein Verein mit Sitz in Hamburg. Vereinszweck ist laut eigenen Angaben die Durchführung staatsbürgerlicher Bildungsarbeit, der vor allem durch Vortragsveranstaltungen erfüllt wird. In den Vorträgen und den Publikationen der SWG geht es oft um geschichtsrevisionistische Themen, wie die Relativierung der Schuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg und die Forderung nach Straffreiheit für die Holocaustleugnung. Ein Rechtsextremismus-Experte bezeichnete die SWG deshalb als "wichtiges Scharnier zwischen Konservativen und Rechtsextremisten." Der Vize-Chef des Hamburger Verfassungsschutzes hatte auch personelle Überschneidungen der SWG mit rechtsextremen Organisationen festgestellt.

Auf deren Website wird im Übrigen neben dem Familiennetzwerk auch für die Junge Freiheit geworben.

Wir werden aber sehen, dass sich der Kreis auf interessante Weise schliesst. Der oben schon genannte Dr. Jürgen Borchert zählt zu denn sog. Policy Fellows des neoliberalen IZA (Institut Zukunft der Arbeit) und ist Buchautor: “Renten vor dem Absturz - Ist der Sozialstaat am Ende?”. Einer der Direktoren des IZA ist Florian Gerster (Ex-Sozialminister in Rheinland-Pfalz und anschliessend Exekutor der Umsetzung von Hartz 1-4 und der Zerschlagung von 70 % der geförderten Weiterbildung von Arbeitslosen); er ist auch im Förderverein der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“. Beide zusammen sitzen dann wieder im wissenschaftlichem Beirat, Kuratorium der Stiftung von Jörg Tremmel mit dem Namen “Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen” , die auf dem Demographieticket reist, und treffen dort Prof. Bernd Raffelhüschen (Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, Stiftung Marktwirtschaft, Aufsichtsrat ERGO-Versicherung) und Prof. Dr. Werner Weidenfeld (Centrum für angewandte Politikforschung / Bertelsmann-Stiftung).

Mit anderen Worten, die familienpolitische Sprecherin führt die Linke.Saar in neoliberale Kreise ein, und zwar in solche, die gerade wegen ihrer reaktionären familien- und frauenpolitischen Vorstellung Überschneidungen mit dem rechten Rand, neofaschistischen Kreisen haben.

Zum Schluss noch ein Bonbon von Wolfgang Bergmann, der uns damit eine Kostprobe gibt, wie sie Machotum der postindustriellen Ära fühlt:
Auf seiner Website stellt er sein Buch "Warum das nächste Jahrhundert männlich wird" mit folgenden Worten vor:
"Lara Croft, Kyoto Date, die Cyber Girls zum Anklicken, aber nicht Anfassen - das sind erotische Lichtfiguren. Das ist der männliche Traum, die Folie für die digitalen Medien. Die ganze Computerei ist männlicher Perfektionswahn, der mit der schmutzigen Industrieproduktion aufräumen will. Der männliche Geist hat von sich selber die Nase voll und tritt eine ungeheure Offensive an. Egal ob er seine Vision jemals verwirklichen wird, so wird in unserer Kultur eben jetzt Zukunft gedacht, und dieser Vorgang ist heftiger und realitätserzeugender und hat mehr Schubkraft als irgendeine andere Art der menschlichen Produktivität. Und weil das so ist, sage ich: Das kommende Jahrhundert wird männlich."

Meine Geduld ist am Ende. Wenn diese Linie weiter verfolgt wird, sind wir in Kürze keine linke Partei mehr. Wir sollten uns daran erinnern, dass solche Wege in der Geschichte schon einmal beschritten wurden und den Anfängen wehren. Wir sollten Oskar Lafontaine unmissverständlich auffordern, diesen Kurs zu verlassen, oder zurück zu treten.


Christel Buchinger


Zuletzt von am Mo Okt 29, 2007 5:51 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Beitrag von Esther Didier   Mi Sep 26, 2007 9:54 pm

Hallo Ihr Lieben,
ich sende Euch zur Info und als Einladung meinerseits einen Veranstaltungshinweis. Ich würde mich über Eure Teilnahme und Eure Unterstützung sehr freuen, da es m.E. eine Gelegenheit ist, sich über das derzeit heißdiskutierteste Thema im saarländischen Landesverband der LINKE Saar zu informieren. Wie einige von Euch bereits wissen, vertritt Christa Müller (CM)(Ehefrau von Oskar Lafontaine; OL) das sog. Erziehungsgehalt als das Konzept der Linken in der BRD. Das ist sachlich nicht korrekt, da dieses
Modell in einem kleinen Kreis entworfen wurde und im grassen Gegensatz zu den Erklärungen der Bundeslinken steht. Lafontaine bestreitet selbst diesen Widerspruch u. spricht nur von den "sogenannten Gegnerinnen" von denen er betont, daß sie größtenteils aus dem "Osten" kämen. Damit meint er anscheinend eine Denkart, zu der auch ich mich zählen möchte. Das heißt nach meinem Verständnis, daß allen Menschen der Zugang zu allen gesellschaftlichen Bereichen offenstehen muß. Auch wenn es sich um solche handelt, die von Muttern Natur mit der Gebärfähigkeit ausgestattet sind.
CM u. OL propagieren dagegen ein Modell, daß auf Behauptungen basiert,
Kinder würden maßgeblich Schaden nehmen, wenn sie vor ihrem 3. Lebensjahr in
die sog. Fremdbetreuung "Müssen". Sie sind der Ansicht, daß ausschließlich
die Erziehung im privaten, häuslichen Umfeld der gesunden Entwicklung von
Kindern zuträglich ist. Das ganze nennt sich dann, Erziehungsarbeit
aufwerten, was man mit Beträgen zwischen 1500,00€ u. 500,00 € brutto
monatlich als Erziehungsgehalt bezahlt, erreichen will.
Gezahlt werden soll allerdings nur unter der Bedingung, daß man (gemeint ist
eher frau) auch nicht zu viele Kinder in die Welt setzt und nicht unter 18
ist und RICHTIG erzieht.
Was das ist weiß CM, denn sie hat alles richtig gemacht, wie sie auf einer
Veranstaltung bereits betont hat.
Damit das geht, setzt man Berater ein, die mit Zwangshausbesuchen bei allen
dieses überprüfen. Wenn man zu dem Schluss kommt, daß Kinder bei Mama zu
viel essen, wird eine Kur angeordnet. Die Kosten zahlt dann aber nicht, wie
man eventuell denken wird, die Krankenkasse, sondern dann wird wegen nicht
erbrachter Erziehungsleistung(das ist nicht meine Erfindung!!!) der
unfähigen oder unwilligen Erziehungsperson das Geld für die Maßnahme
gekürzt.
Dagegen setzen wir u.a. das, was ich Euch im Anhang schicke und noch einiges
mehr. Da mittlerweile unstrittig sein sollte, daß viele Menschen
benachteiligt sind, weil erst mit erreichen des Schulalters alle Kinder in
staatliche Schulen gehen und dann der gesamte Bereich der vorschulischen
Erziehung, den Kinderbetreuungseinrichtungen bieten, verpasst wurde, möchte
ich kostenlosen Zugang zu eben diesen und zwar staatlichen Einrichtungen auf
hohem pädagogischem Niveau.
Die Verantwortung für die nachfolgenden Generationen ist eine
gesamtgesellschaftliche Aufgabe!
Familien bieten ihre Art von Nähe und Vertrauen, die Möglichkeit zur
Moderation etc..
Kinder brauchen Kinder und das Lernen in einer Gruppe von Menschen, mit
denen sie gleichberechtigt spielen u. lernen können.
Frauen brauchen für ihren gleichberechtigten Zugang zur
Erwerbsarbeit(ökonomischer Unabhängigkeit) Menschen, die mit ihnen die
Verantwortung u. die Sorge um die Kinder teilen.
Wenn man wie CM der Ansicht ist, Frauen wollten keinen gleichen Lohn für
gleiche Arbeit, weil sie zur Erwerbsarbeit gezwungen werden u. überhaupt
nicht wie Männer sein wollen, der verhöhnt meiner Meinung nach den über
100-jährigen Kampf von Frauen und Männern um menschenwürdige Arbeit- und
Lebensbedingungen.

Dazu gäbe und gibt es noch viel zu sagen, deshalb bitte ich Euch sehr, zu
dieser Veranstaltung zu kommen, damit wir uns austauschen können und einer
Politik Widerstand entgegensetzen, die sowohl in den reaktionärsten
kirchlichen Kreisen, wie auch bei faschistischen Organisationen ihren
Beifall findet.

Es geht um unser aller Zukunft, denn CM ist leider nicht alleine mit dieser
Kampagne. In diesem Punkt gibt es eine Menge einflussreicher Personen, die
mit
Parteigrenzen keinerlei Probleme haben. Ich wünsche mir, daß wir das in
unserem Interesse auch schaffen!
In großer Sorge und mit ganz lieben Grüßen
Esther
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BeitragThema: alles Müller, jetzt auch in RLP   Mi Sep 26, 2007 10:02 pm

Liebe Frauen,
Wolfram Sondermann ist einer der profiliertesten Vertreter der "Integrativen Linken" in Rheinland-pfalz und wenn ich es recht interpretiere Mitglied in der Regionalgruppe Erziehungsgehalt von Christa Müller.
Sein wenig integrativer Kommentar in dem letzten Newsletter der IL will ich Euch nicht vorenthalten, meine Kommentare mit C.B. dazu auch nicht!
Grüsse aus RLP, tzz!
Christel

KOMMENTAR: Feministoide und neoliberale Fundamentalismen contra arbeitsmarktpolitischen Realismus: Das "friendly fire" auf Lafontaine
Voñ von Wolfram Sondermann

CB: Das ist die neue Lesart, die es schwer machen soll, gegen das Konzept von CR zu polemisieren: " es geht gar nicht gegen das Elterngeld, dies wird nur genutzt um Oskar Lafontaine zu schaden." Wer allerdings in neoliberalem Fahrwasser segelt, ist der Einladung zur Konferenz der LInken saar für kommenden Freitag zu entnehmen. Die Fachbeiträge kommen von Christa Müller und Oskar Lafontaine (der sich offensichtlich darauf einschiesst, sich mit der "Wahlfreiheit" redlich zu blamieren, so wie der Autor des Kommentars hier auch) und von zwei Vertretern, von denen der eine real und nicht nur gedanklich der neoliberalen "Initiative für eine neue soziale Marktwirtschaft" zu zu rechnen ist, der andere scih mit Christa Müller im reaktionären "Familiennetzwerk" rum treibt und letzters hat ganz grosse nähe zu fundamentalistischen Lebensschützern (CDL), der Paneuropaunion und der "Staats- und wirtschaftspolitischen Gesellschaft", rechts aussen, der eine wichtige SCharnierfunktion zwsichen Konservativen und Rechtsextremisten nachgesagt wird. Dietmar Bartsch und Katina Schubert, mit denen ich beleibe ncht in allem übereinstimme, würden sich hüten, in einer solchen Gesellschaft und mit einer solchen Gesellschaft Politik der Linken zu entwickeln.
Und wir sollten uns fragen, ob der "Fremdarbeiter" doch mehr war als ein Ausrutscher. Aber das ist ja oskarfeindlich und von daher verboten.


W.S. Die Auseinandersetzung zwischen Katina Schubert, stellvertretende Bundesvorsitzende DER LINKEN, André Brie und Dietmar Bartsch auf der einen, und Oskar Lafontaine und Christa Müller auf der anderen Seite, haben spätestens mit der SPIEGEL-Ausgabe vom 20.08.07 ihren Weg in die auflagenstarke deutsche Presse gefunden.

C.B. Offensichtlich wird in von der IL und vom Autorn nicht wahr genommen, dass die Gegnerschaft zu diesem reaktionären Familienkonzept weit über die Reformlinke hinaus geht. O.L. möchte seinerseits ja auch gerne das ganze zu einem Problem der Ostfrauen machen, wie er das in seiner Rede beim Landesparteitag Saar ausdrückte. Und die Ostfrauen muss man ja wahrscheinlich noch weniger ernst nehmen als die Ostmänner, oder?

W.S. Die greift das begierig auf nicht weniger als so wie "Igel und Luftballon" sollen beide familienpolitischen Positionen zusammenpassen.

C.B. Tja, da hat der Spiegel mal ausnahmsweise recht. Ich gehe noch weiter: Da die europäische und nationale Politik (neoliberal!!) die Familienpolitik in jenen Ländern auf die Agenda setzt, die es geschafft haben, reaktionäre, vormoderne Familienkonzepte zu konservieren (Deutschland trotz der Vereinigung, Österreich, Luxemburg, Italien, Spanien..), wird uns das Thema noch etwas begleiten. Sie setzen es auf die Tagesordnung, nicht weil sie so frauen- oder menschenfreundlich sind, sondern weil das reaktionäre Modell überall hemmend wirkt. Nicht Kinder oder Familie vertreiben die Frauen vom Arbeitsmarkt, sondern jene altbackenen Strukturen. JUnge Frauen und junge männer wollen nicht WÄHLEN zwischen Familie und beruf sondern beides vereinbaren. Das müssen sie wollen, weil sie nichts besitzen als ihre Arbeitskraft, die sie also verkaufen müssen. und da ist nix mit Wahlfreiheit. Denn wenn die eine die familie wählt, muss der andere die Erwerbsarbeit wählen und macht überstunden (das ist bundesrepublikanische Realität) und wenn der eine Karriere macht, muss die andere auf Teilzeit oder zu hause bleiben, wenn kinder kommen. die angebliche Wahlfreiheit in die eine oder andere Richtung wird immer auf kosten des anderen Elternteils erkauft. Das sog. Erziehungsgehalt ändert daran nichts.

W.S. Die Position des Paares Lafontaine/ Müller ist dabei klar: Auf dem Arbeitsmarkt gilt das Prinzip von Angebot und Nachfrage.

C.B. Ach ja? und sonst nix?

W.S. Solange das Überangebot an Arbeitskraft so deutlich weiterbestehe, werde für sie kein angemessener Preis erzielt werden können - leider sind im Kapitalismus eben keine werteorientierten Selbstkorrekturen eingebaut.

C.B. Nee Selbstkorrekturen sind nicht eingebaut, aber der Arbeitsmarkt ist eben nicht nur angebots- und nachfrageorientiert, dort spielt vor allem die Macht, die wirtschaftliche und politische Macht der Nachfrager und die Ohnmacht und eigentums- und damit alternativlosigkeit der Anbieter eine Rolle. man sollte den marxsimus eben doch nicht entsorgen, gell!

W.S. Neoliberale arbeitsmarktpolitische Konzeptionen zur Einwanderungs- (ÑBlue Cardì) oder Familienpolitik à la Ursula von der Leyen oder Katina Schubert verstärken das auf dem Arbeitsmarkt bestehende Arbeitskräfte-Überangebot weiter. In diesem Konzept werden im einen Falle ImmigratInnen, im anderen junge Eltern zusätzlich auf den Arbeitsmarkt geworfen, um den für Arbeit zu erzielenden Preis weiter abzusenken.

C.B. Und hier wirds dann richtig hübsch!! Wolfram sondermann (und mit ihm O.L. und C.M.??) möchte keine weitere, zusätzliche Konkurrenz, heisst das doch, oder? nciht von einwanderern und nicht von Frauen???? und die linke soll bitte die KOnkurrenzfähigkeit des weissen Mannes stärken?? Ja??
By the Way: Wolfram Sondermann hat mich diese Woche abends angerufen um mich zur Gegnerschaft zu C.M. zu befragen. Nach O.L. Lesart bröckelt ja die Front der Gegnerinnnen und vielleicht kann man etwas nachhelfen. Bei diesem Anruf hiess es nicht wie oben: "junge Eltern auf den Arbeitsmarkt geworfen", sondern "junge Frauen auf den Arbeitsmarkt geworfen". In den schriftlichen Entäusserungen der Regionalgruppe wird peinlich darauf geachtet, dass die Sprache sie nicht verrät. nicht mütter sondern eltern, nicht Frauen sondern Frauen und Männer heisst es da immer. sie glauben, dass die sache damit erledigt ist. Die Frauenbewegung, die Feministinnen beschäftigen sich aber seit vielen vielen jahren mit den Strukturen, mit den Verhältnissen, die sie Geschlechterverhältnisse nennen und in denen eingeschrieben ist, wie sich konzepte der saar-pfälzischen Art umsetzen (und von den akteuren ist das ja auch beabsichtigt) sie reden kenntlich, wir wir sehen.


W.S. DIE LINKE sollte darüber nachdenken, was es heißt, wenn die bürgerliche Presse nun Lafontaine als ausländerfeindlich und Christa Müller als Kinder-Küche-Kirche-Verfechterin darzustellen bemüht ist: Schubert, Bartsch und Brie sind nicht mehr die, welche von der bürgerlichen
Presse als antikapitalistische Bedrohung wahrgenommen werden; umso leichter lassen sie sich als Gewährsleute gegen Lafontaine und Müller ins Feld führen.

C.B. Wenn es so weiter geht, werden Lafontaine und Müller nicht! für den Kapitalismus gefährlich, sondern für uns! Christa Müller ist beileibe nicht nur eine Kinder-Küche-Kirche-Verfechterin, sondern eine mittlerweile profilierte Antifeministin. Oskar Lafontaine konnte bisher glaubhaft machen, dass er vom Feminismus nichts versteht. nun positioniert er sich.

W.S. Gefährlich für die Identität DER LINKEN ist diese seltsame Melange, die sich da gegen Lafontaine/Müller zusammenbraut, allemal:
ein äußerster rechter Parteiflügel um Bartsch und Brie bedient sich da einer ultraorthodoxfeministoiden Nische um Schubert, um zum Angriff auf arbeitsmarktpolitischen Realismus zu blasen ñ die ersteren, weil sie die antikapitalistischen Stellungen schon längst aufgegeben haben, die zweiten, weil sie sie genderpolitischen Fundamentalismen aus einer Zeit zu opfern bereit sind, die längst vergangen ist. Daß Feminismus unter den Bedingungen des Sozialstaates der 70er Jahre und der rheinisch-kapitalistischen Teilhabe breiter Bevölkerungsschichten an Produktivitätszuwächsen andere tagespolitische Forderungen stellen konnte und mußte, als sie heute angemessen sein können, wird der Feministinnengeneration Schubert aber womöglich schwer vermittelbar bleiben.

C.B. und wieder wirds kenntlich: Solange was zu verteilen war, durften die Feministinnen um ein paar Brosamen streiten. nun wo' s eng wird, möchten die Jungs den rest unter sich verteilen. und dann wird der Feminismus, von dem Wolfram Sondermann nichts versteht und mit dem er sich nie beschäftigt hat "ultraorthodoxfeministoid". tolles Wort!
Aber Jungs, die Feministinnengeneration um Schubert bleibt dabei, selber zu denken und zu fordern! das hat ja vielen Männern, auch linken, nie so in den Kram gepasst. Aber wie sagt der Autor des KOmmentars: damals gabs noch was zu verteilen. jetzt, jetzt wirds eng. und dann ist der Spass zu ende. jetzt beissen sie. Aber wir auch!


W.S. Dieser gordische Knoten, der den auffälligsten West-VertreterInnen der Neuen linken da um den Hals gelegt werden soll,
uahh, schwall...
ließe sich theoretisch leicht zerschlagen: Schubert und ihre Mitstreiterinnen müßten nur darlegen, wie sie der schiefen Ebene der weiteren Billigverwertung menschlicher Arbeitskraft zu entkommen gedenken,...

C.B. Ach Sondermann, durch Tarifauseinandersetzungen? durch Stärkung der Position der abhängig beschäfttigten und Arbeitslosen? durch eine Grundsicherung, die den namen verdient - für alle, vor allem aber für Eltern udn kInder? Bedingungslos und ohne staatliche überwachung? durch mindestlohn? Gesetze?

W.S.... die da lautet: Morgen werden alle jungen Eltern ihren Nachwuchs in Krippen betreuen können, übermorgen aber werden sie es müssen, um dem Zweiten und Dritten Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen. Denn nichts anderes möchte Müller: Die reale und nur nicht theoretische Wahlfreiheit für die Eltern. Natürlich sollen genügend Krippenplätze verfügbar sein. Aber wenn ein Überangebot von Krippenplätze dann im Zwang zur Fremdbetreuung endete, wäre dieses Ziel konterkariert.
So gesehen könnte Schuberts Modell, wenn es nicht nachgebessert wird, tatsächlich schon bald zu jenem Luftballon geraten, der dem Igel zu nahe gekommen ist.

C.B. Und wieder macht er sich kenntlich! wir müssen angst vor einem Überangebot an Kindergrippenplätzen haben! wo lebt der mann??? und die Wahlfreiheit der Eltern? blinkt da nicht das süsse kleine biedermeierliche Familienidyll durch? zur Wahlfreiheit habe ich oben argumentiert. nur soviel noch: Viele Frauen und mÄnner verzichten auf Kinder, weil die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht möglcih ist. Christa müller und ihre Gefolgsleute lassen immer durchscheinen, dass die Menschen das ja nur des schnöden Mammons wegen tun. und so argumentiert ja auch die Rechte. Aber wer nichts besitzt als seine Arbeitskraft??? Nimmt das Erziehungsgehalt? Und will dann wieder zurück in den Beruf? und dann? dann is essig, Qualifikation wertlos, zu alt...
Und glaubt wirklich jemand, dass ein Erziehungsgehalt jemanden vorm sozialen Absturz rettet? der kommt dann drei jahre später.
Was bleibt? das Erziehungsgehalt sichert die Abhängigkeit der Frauen von den Männern, nicht deren Selbständigkeit. und es fügt eine weitere Abhängigkeit hinzu, die vom Erziehungsgehalt. Darüber schweigt Sondermann. Die sog. "Qualitätskontrolle" im Konzept Müller ist besonders pikant. Hausbesuche, mehrmals im Jahr, Bewertung der Erziehungsleistung, Kürzungen bei Versagen, Entbindung der Schweigepflicht des Arztes und andere nettigkeiten, die Lisa dazu veranlasst haben, dieses Konzept antidemokratisch und obrigkeitsstaatlich zu nennen. und dabei bleiben wir!


Christel Buchinger Basketball
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Margret Lorenz



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BeitragThema: Re: neues von Lafontaine-Müller - neoliberal-reaktionär   Sa Okt 06, 2007 4:56 pm

Liebe Lisa Frauen, liebe Forum Leser,

Frigga hat Schwierigkeiten, einen Text einer Genossin zu verstehen bezüglich des Themas Erziehungsgehaltest. Das ist auch schwierig, sich da in Kürze zu ausuzlassen.
Die Befürworter dieses Erziehungsgehaltes setzen diese häusliche Familien- und Erziehungsarbeit der Mutter oder der gesamten Familie mit einer Erwerbsarbeit gleich.
Da liegt meiner Meinung nach schon der fehlerhafte Denkansatz. Ich glaube, die Autorinnen wollen dies mit meiner Meinung nach guter und richtiger Argumentation widerlegen.
Hausarbeit und erst recht nicht mütterliche Erziehung von Kindern können mit einer gängigen Erwerbsarbeit gleichgesetzt werden.
Mit einer solchen Vorgehensweise erreicht man keine Würdigung der Hausfrauen- und Erziehungsleistung der Mütter und Familien. Im Gegenteil , man würdigt sie noch mehr herab..
Ich versuche mal anzuhängen, was ich schon drüber in der Liste geschrieben habe.
Geht leider nicht. Muss alles neu schreiben.

Viele Grüße Margret Lorenz
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Iris



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BeitragThema: Re: neues von Lafontaine-Müller - neoliberal-reaktionär   Di Okt 09, 2007 12:09 pm

Liebe Frauen,
ich fand das Interview insofern interessant, weil deutlich wird, wie aufgrund persönlicher Erfahrung von CM ein Lebenskonzept verallgemeinert wird. Da wird ein Schlüsselerlebnis beschrieben "als ich unseren Sohn in eine Kita bracht, die er bereits kannte, schrie er in Panik. Da beschloss ich: Das kommt nie wieder vor..."
Was heißt das denn genau? Der Sohn schreit, als er in eine Kita gebracht wird. Und warum schreit er? Kennt er die Kita so gut, dass er sich dort sicher fühlt oder kennt er sie nur flüchtig? Wir wissen zuwenig über die konkreten Situationen, die hier aber anscheinend für die Grundlage einer neuen Familienpolitik genommen wird. Ich hab lange in einer Mutter-Kind-Kur-Klinik gearbeitet. Dort haben Kinder öfters geschrieen, wenn sie in die Kindergruppe abgegeben wurden, damit die Mütter ihre Anwendungen in der Kur wahrnehmen konnten und ich will gleich mal die Hintergründe erklären.
Wichtig ist, wenn Kinder abgegeben werden, dass es eine gute Eingewöhnungszeit in der Gruppe haben. War das gegeben bei dem Sohn von CM? Kannte er die KiTa gut genug? Wichtig ist, wie ist die Gruppe überhaupt gestaltet? Nach welchem Konzept wird gearbeitet? Wie ist der Betreuungsschlüssel? Wie sind die Qualifikationen der ErzieherInnen? Wie wird Beziehung und Kommunikation zu den Kindern aufgebaut? Wie werden Regeln erklärt und gesetzt gegenüber den Kindern? Es ist dringend notwendig, an die Konzepte innerhalb der Institutionen heranzugehen, denn die Qualität der Kinderbetreuung muß aus meiner Sicht ganz dringend verbessert werden. Aber hier habe ich Kritik an der Ausgestaltung der Institutionen und nicht an der Kinderbetreuung per se.
Nun zurück zu dem schreienden Kind. Warum schreien Kinder wenn sie abgegeben werden? Mal vorausgesetzt, es hat eine ausreichende und liebevolle Eingewöhnungszeit für die Kinder gegeben und es ist eine gute Institution. Kinder schreien, um zu prüfen, ob ihre Eltern auch wirklich meinen, was sie tun. Kinder brauchen die innere Klarheit der Mutter oder des Vaters, Kinder brauchen die Botschaft "es ist völlig in Ordnung, dass du hier den Tag verbringen kannst, hier bist du gut aufgehoben und ich bin innerlich ganz sicher, dass ich dich hier abgeben möchte". Wenn die Mutter oder der Vater diese innere Klarheit nicht hat, dann bekommt das Kind eine Doppelbotschaft "ich gebe dich hier in die Betreuung, du kannst hier bleiben und bitte verbringe eine guten Tag (und weine möglichst nicht) / aber ich bin nicht sicher, ob es für dich gut ist, dass ich dich hier abgebe, ich habe nämlich ein schlechtes Gewissen". In der Regel sind es die Frauen, die ein schlechtes Gewissen haben. Bei Männern kommt es so gut wie gar nicht vor. ErzieherInnen berichten auch häufig davon, dass Kinder so gut wie gar nicht weinen, wenn sie von den Vätern abgegeben werden, sehr wohl aber, wenn sie von den Müttern abgegeben werden. Der Grund dafür ist, die nicht klare innere Sicherheit der Mutter. Ich habe viele Frauen befragt, was für sie eine gute Mutter ist. Das Bild, das auch heute noch von jungen Frauen gezeichnet wird, ist ziemlich erschreckend. Denn es besteht der Anspruch einer Über-Mutter die unglaubliches leisten muß, um diesen Bild zu entsprechend. Und dieses Bild entspricht aber nicht der Realität, d.h., die Frauen hechten einem Anspruch hinterher, der gar nicht leistbar ist. Das Ergebnis, wenn ich einen Anspruch formuiere, den ich nicht erreichen kann, ist in der Regel ein schlechtes Gewissen. Wenn ein schlechtes Gewissen da ist, dann gibt es keine innere Klarheit mehr, sondern eine innere Ambivalenz. Kinder, die schreien, wollen lediglich, eine klare Botschaft, weil sie die unterschiedlichen Botschaften aufgrund der inneren Ambivalenz nicht einordnen können. Das schreiende Kind fordert sozusagen auf: "bitte bezieh jetzt eine klare Position, damit ich mich sicher fühlen kann."
So wie CM die Situation mit ihrem Kind beschreibt, scheint sie durch den Ausfall der Kinderfrau die KiTa-Unterbringung eher als eine Notlösung gesehen zu haben. Ich kann nur vermuten, dass sie innerlich gar nicht überzeugt war, das Kind dort abzugeben. Aber dazu müßte sie genau befragt werden.
Kinder brauchen Sicherheit und Orientierung und die verlieren Kinder, wenn Frauen unsicher werden. Wir sollten daher alles tun, Frauen zu ermöglichen, ihren eigen Weg zu finden, innerlich sicher und klar zu sein und sie darin zu unterstützen.
Nun sind nicht alle Frauen vom schlechten Gewissen befallen und geben ihr Kind ab und sind sich sicher, dass es richtig und gut ist. Auch diese Kinder schreien manchmal. Aber wenn wir mal genau diese Situationen in Kindergärten beobachten, dann ist es eine andere Form des Schreiens als das von Kindern, die eine Klarheit und Sicherheit möchten. Denn es ist in der Regel ein kurzer Test mit der nonverbalen Frage "bist du wirklich sicher, dass du mich abgeben willst?" Wenn diese Botschaft klar ist, dann wenden sich diese Kinder in der REgel dem Spielen zu und verbringen einen guten Tag, vorausgesetzt die Institution ist qualitativ gut.
Nun gibt es aber auch Kinder, die schlichtweg mal keine Lust haben, in die KiTa zu gehen. Und diese Unlust bringen sie durch Schreien zum Ausdruck. Und das dürfen sie auch, aus meiner Sicht. Kinder, und je kleiner sie sind, entscheiden nach dem Lustprinzip. Wenn ein Kind nun lieber gerne zuhause mit dem Teddy spielen möchte oder gerade schön das Spielzeug aufgebaut hat und etwas gestalten möchte und dann in die KiTa soll, statt das fertig zu spielen, wozu es gerade Lust hat, dann schreit es meistens auch. Und das ist auch gut so. Denn das Kind muß die Erlaubnis der Eltern haben, das Gefühl von Ärger, Wut oder Unlust auszudrücken. Ich liebe meinen Beruf und gehe gerne arbeiten, aber manchmal, wenn ich ein spannendes Buch habe, würde ich auch lieber erst mal das Buch zuende lesen. Aber ich bin erwachsen und lege das Buch zur Seite und schrei nicht, dass ich erst das Buch lesen möchte. Kinder reagieren da anders. Die Kinder brauchen unsere Erlaubnis, ja, du darfst schreien und zum Ausdruck bringen, dass du keine Lust hast. Das ist die beste Drogenprävention, die Eltern machen können, denn die Kinder lernen Frusttoleranz. Kinder brauchen dann die Botschaft "du darfst zum Ausdruck bringen, dass du heute lieber zuhause bleiben möchtst. Du darfst schreien und weinen. Das ist in Ordnung." In meiner Befragung von vielen Müttern, was eine gute Mutter ist, wurde das Bild gezeichnet, eine gute Mutter hat ein glückliches Kind, dass nicht schreit und wütet. Dabei wird vergessen, dass der Ausdruck von Ärger und Wut zu unseren Grundgefühlen gehört und Kindern müssen lernen, diese Gefühle auszudrücken, auszuleben und damit umzugehen. Viele -besonders Frauen - haben verlernt, diese Gefühle auszudrücken.
Wenn Kinder schreien und wüten, dann wird leider immer noch von der Ideologie des "Guten-Mutter-Bildes" suggeriert, "du bist keine gute Mutter, dein Kind ist unzufrieden".
Trotz aller Entwicklungen, die wir haben, gibt es leider immer noch die Rabenmutter-Ideologie. Das Familienbild von CM schürt es auch meiner Sicht leider. Da wird suggeriert, wenn du dein Kind so früh abgibst, dann bist du eine schlechte Mutter, denn es schadet deinem Kind und somit bist du eine Rabenmutter.
Das macht mich total wütend. Eine gute Mutter ist eine Mutter, die klar ist. Und unsere Aufgabe ist es, die gesellschaftlichen Bedingungen so zu gestalten, dass eine Mutter wirklich wählen kann und innerlich klar sein kann. Aber das gesellschaftliche Bild ist leider immer noch so, dass den Mütter ein schlechtes Gewissen eingeredet wird. Die derzeitige moralisierende Diskussion schürt das auch noch unglaublich.
An anderer Stelle sagt CM, wenn Kinder gefragt würden, wo willst du lieber bleiben, bei Mama oder in die KiTa, vermittelt sie das Bild, jedes Kind würde lieber bei der Mutter bleiben. Das bezweifel ich, denn viele Kinder haben Spaß in der KiTa. Aber das ist noch ein anderes Thema. Wütend macht mich, das hier ein emotionales Bild gezeichnet wird und mit diesem Beispiel Druck in Richtung schlechtes Gewissen gemacht wird. Denn hier wird unterstellt, dass es in Ordnung ist, ein kleines Kind entscheiden zu lassen, welche Form von Betreuung für das Kind gut ist. Das können Kinder nicht entscheiden, denn das müssen die Eltern entscheiden. Ich habe vier erwachsene Kinder und wenn ich die, als sie klein waren, gefragt hätte, möchtest du lieber Gummibärchen und Schokolade zum Mittagessen oder lieber Gemüse? In den meisten Fällen hätten sie sich nach dem Lustprinzip entschieden und nicht nach dem, was für sie gut ist, in den meisten Fällen hätten sie sich für Gummibärchen und Schokolade entschieden. Aber ist es verantwortlich, diese Entscheidung, was esse ich zum Mittag, (oder wer soll dich betreuen) den Kindern zu überlassen, jedenfalls als Generalantwort? Sicher nicht.
Und dann noch die Diskussion, die Kinderbetreuung schadet den Kindern. Es gibt so viel Forschung zur Mutter-Kind-Bindung. Ich kenne keine einzige seriöse Forschung, die belegt, Berufstätigkeit schadet den Kindern. Ob es den Kindern gut geht oder nicht, hängt einzig allein von der Qualität der Mutter-Kind-Bindung ab und nicht von der Quantität. D.H. der Zeitfaktor, die Quantität, als Hausfrau den ganzen Tag ansprechbar für die Kinder zu sein, sagt überhaupt nichts über die Qualität der Mutter-Kind-Bindung aus.
Über die Qualität von Vater-Kind-Beziehung wird natürlich kaum etwas geschrieben. Wieviel Schaden abwesende Väter anrichten können, dass höre ich in keiner dieser Diskussion. Eine gesellschaftliche Ächtung von Rabenvätern höre ich so gut wie nie.
Nach wie vor sind von der Forschung her die Bindungstheorien gültig. Es gibt drei Kategorien von Bindung: die sichere Bindung, die ambivalente Bindung und die vermeidende Bindung. Und diese Formen von Bindung entscheiden über die Qualität der Bindung und es hat nichts mit Zeit zu tun.
Solange Frauen keine Wahlfreiheit haben - und die haben sie heute nicht - ist es schwierig, eine authentische Entscheidung treffen zu können, wie will ich leben mit den Kindern. Die gesellschaftlichen Bedingungen, die wir Frauen mitgeben, schüren aus meiner Sicht die ambivalenten Bindungen, und die sind nicht gut. Frauen brauchen die gesellschaftliche Botschaft: welche Entscheidung du auch immer triffst (unter realen Wahlmöglichkeiten) diese Entscheidung ist in Ordnung. Die Diskussion in der Art von CM und EH vermitteln den Frauen ganz klar das Bild: du bist nicht in Ordnung, wenn du dein Kind abgibst. Das dadurch gesellschaftliche Bild der Rabenmütter läßt dann grüßen und das schlechte Gewissen ist vorprogrammiert.
So, nun könnte ich noch etwas zu dem Unsinn der Vermischung der Stress-Hirn-Forschung und schreienden Kindern schreiben, aber das wird mir jetzt zu lang.
Ich hoffe, ich habe nicht mißverständliche geschrieben. Um es noch mal klarzustellen, ich bin keine Anhängerin, Kinder schreien zu lassen, aber ich bin Anhängerin, den Kindern zu erlauben, ihre Gefühle auszudrücken, auch die "häufig nicht erlaubten Gefühle" wie Ärger und Wut. Und gerade, wenn ich nicht in Peinlichkeit versinke, wenn mein Kind einen Wutanfall bekommt, bin ich eine "gute Mutter".
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Toni



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BeitragThema: Neues von Lafontaine-Müller neoliberal-reaktionär   Di Dez 11, 2007 7:15 pm

Liebe Frauen,
Antwort auf Iris' Beitrag:

1. Offenbar haben sehr viel mehr Frauen als CM solche persönlichen
Erfahrungen mit Kindertagesstätten gemacht. Denn daß sich bei der
Verabschiedung unserer programmatischen Eckpunkte keine Seite
durchsetzen konnte, ist mir ein Beweis, daß es eben keine einhellige
Meinung über diese Frage in unserer Partei gibt. Auch deshalb halte ich
die Wahlfreiheit für eine weise Entscheidung. Wie ich im Forum
ausgeführt habe, erfordert sie ausreichend Kinderbetreuungsstätten und
Arbeitsplätze sowie bedarfsgerechte Sozialleistungen - für all das setzt
sich die LINKE ein.

2. Ich stimme Iris zu, wenn sie schreibt: „Wichtig ist, wenn Kinder
abgegeben werden, dass es eine gute Eingewöhnungszeit in der Gruppe
haben. War das gegeben bei dem Sohn von CM? Kannte er die KiTa gut
genug? Wichtig ist, wie ist die Gruppe überhaupt gestaltet? Nach welchem
Konzept wird gearbeitet? Wie ist der Betreuungsschlüssel? Wie sind die
Qualifikationen der ErzieherInnen? Wie wird Beziehung und Kommunikation
zu den Kindern aufgebaut? Wie werden Regeln erklärt und gesetzt
gegenüber den Kindern? Es ist dringend notwendig, an die Konzepte
innerhalb der Institutionen heranzugehen, denn die Qualität der
Kinderbetreuung muß aus meiner Sicht ganz dringend verbessert werden.“
Aber weiß sie denn nicht, daß es – zumindest im Westen – ein
weitverbreiteter Brauch ist, daß neue Kinder mit ihren Müttern oder
Vätern einmal zu einem Tag der Offenen Tür kommen dürfen, um die
Erzieher/innen, die Kinder und die Räume anzusehen? Wochen später werden
sie dann täglich gebracht; wenn es nett gemacht wird, kommen nicht alle
Neuen auf einmal, sondern alle paar Tage ein-zwei neue Kinder, damit die
Erzieher/innen sich besonders um sie kümmern können – aber die Mütter
dürfen nicht mehr mit hinein, bestenfalls in den Vorraum, um beim
Mantel-Ausziehen zu helfen.
Wenn Kinder mehr (wieso mehr? überhaupt!) Eingewöhnungszeit brauchen,
sind die Mütter schuld, die nicht loslassen können. Das ist anscheinend
die wichtigste Lehre in der Erzieher/innen-Ausbildung: An allem, was
schiefläuft, sind die Mütter schuld; alles, was gutläuft, ist Verdienst
der Erzieher/innen. Ein beneidenswert klares Weltbild.

3. Iris' weitere Ausführungen (warum schreien Kinder?) beruhen auf der
Prämisse, daß unsere Kinderbetreuung so ist, wie sie sein sollte. Doch
schreibt sie ja selbst: „die Qualität der Kinderbetreuung muß aus meiner
Sicht ganz dringend verbessert werden. Aber hier habe ich Kritik an der
Ausgestaltung der Institutionen und nicht an der Kinderbetreuung per
se.“ Allerdings können die Kinder leider nicht in eine Kinderbetreuung
per se gehen, sondern nur in die ganz reale, die ihre Eltern vor Ort
vorfinden.

4. Iris schreibt: „ErzieherInnen berichten auch häufig davon, dass
Kinder so gut wie gar nicht weinen, wenn sie von den Vätern abgegeben
werden, sehr wohl aber, wenn sie von den Müttern abgegeben werden.“ Sie
führt das auf das „schlechte Gewissen“ der Mütter zurück. Ich kann mir
auch einen anderen Grund vorstellen: Väter „dulden“ keine Tränen. Und
außerdem fragt sich, ob sich die Erzieherinnen den Kindern nicht
liebevoller zuwenden, wenn ein Vater daneben steht? Treiben doch Väter,
die sich um Kinder kümmern, vielen Frauen noch immer Tränen der Rührung
in die Augen!

5. “Kinder, die schreien, wollen lediglich, eine klare Botschaft, weil
sie die unterschiedlichen Botschaften aufgrund der inneren Ambivalenz
nicht einordnen können. Das schreiende Kind fordert sozusagen auf:
'bitte bezieh jetzt eine klare Position, damit ich mich sicher fühlen
kann.'"
Das kann so sein, muß aber nicht. Kinder haben durchaus eigene Gefühle,
Vorstellungen, Ängste, Sympathien, Antipathien und so weiter. Kurz, sie
sind bei aller Abhängigkeit von ihren Eltern auch eigene
Persönlichkeiten, nicht nur Objekte, sondern auch Subjekte. Und so
können sie z.B. einfach eine/n Erzieher/in nicht mögen, sich vor ihr/ihm
fürchten, ihr/ihm mißtrauen. Auch die Erzieher/innen mögen nicht alle
Kinder gleich gern und die abgelehnten spüren das genau. Wenn die Mütter
in solchen Fällen signalisieren, diese Person ist in Ordnung, Du kannst
ihr vertrauen, denn ich tue es auch, negieren sie die echten Gefühle
ihrer Kinder. Das Kind verliert – je nachdem, wie es weitergeht – das
Vertrauen zur Mutter oder zu den eigenen Gefühlen oder beides. In einer
solchen Situation müßten sich Mütter und Erzieher/innen Zeit nehmen,
aber das ist nicht vorgesehen. Die Schuldfrage ist ja auch klar.
Im Übrigen: Wie sollen eigentlich Mütter eine ehrliche, klare Position
zu den Erzieher/innen beziehen, wenn sie sie gar nicht kennenlernen
können, weil sie immer sofort wieder weggesschickt werden?
Und wieder schreibt Iris am Ende des Absatzes: „vorausgesetzt die
Institution ist qualitativ gut“, und wir wissen, daß sie weiß, daß die
Institutionen in der Regel eben nicht gut sind.

6. „Nun gibt es aber auch Kinder, die schlichtweg mal keine Lust haben,
in die KiTa zu gehen. Und diese Unlust bringen sie durch Schreien zum
Ausdruck. Und das dürfen sie auch, aus meiner Sicht. Kinder, und je
kleiner sie sind, entscheiden nach dem Lustprinzip. Wenn ein Kind nun
lieber gerne zuhause mit dem Teddy spielen möchte oder gerade schön das
Spielzeug aufgebaut hat und etwas gestalten möchte und dann in die KiTa
soll, statt das fertig zu spielen, wozu es gerade Lust hat, dann schreit
es meistens auch. Und das ist auch gut so. Denn das Kind muß die
Erlaubnis der Eltern haben, das Gefühl von Ärger, Wut oder Unlust
auszudrücken.“
Das ist für mich – verzeiht mir – Zynismus hoch drei. Während in
früheren Zeit Kinder tun mußten, was Eltern wollten, ob sie nun schrieen
oder nicht, erlauben wir ihnen heute großzügig zu schreien – aber
natürlich müssen sie genauso tun, was wir wollen wie die Generationen
vor ihnen! Nach wie vor können sie gar nicht früh genug lernen, sich
anzupassen und einzufügen. Gestalten und Fertig-Spielen sind nicht
ernstzunehmen, eben Kinderkram, schließlich müssen sie später in Büro
und Werkstatt auch funktionieren. Und nachher beklagen wir dann die
mangelnde Konzentrationsfähigkeit der Kinder, die genau in diesen
Situationen der Hingabe an das Spiel erworben wird...
Ihr Geschrei soll uns sogar das Gefühl vermitteln, daß wir „gute Mütter“
sind: „Und gerade, wenn ich nicht in Peinlichkeit versinke, wenn mein
Kind einen Wutanfall bekommt, bin ich eine 'gute Mutter'.“

In den 70er Jahren gab es Diskussionen um die Entpädagogisierung und
Entpsychologisierung des Verhältnisses zwischen Eltern und Kindern
zugunsten echter Beziehungen; die Wissenschaft bewies, daß es von Anfang
an eine Interaktion zwischen Kindern und Müttern gibt, daß ihre
Beziehung also keine Einbahnstraße ist, sondern daß schon das
Neugeborene sie mitgestaltet, wenn die Mutter es zuläßt. Es gab eine
spannende historische Kindheitsforschung, zur Kinderrettungsbewegung
gesellte sich die Kinderrechtsbewegung und schließlich verabschiedete
die UNO eine Konvention über die Rechte des Kindes. Und jetzt sind wir
wieder soweit: Wenn ich meinen Willen durchsetze und meinem Kind zu
schreien erlaube, bin ich eine gute Mutter. Oh Göttin!

Irgendwann sollten wir mal auf der Metaebene diskutieren, weshalb nur
dieses eine Thema es schafft, das Interesse und die Emotionen der
Listenfrauen zu wecken, wo es doch soviele andere Themen gibt, die uns
aufregen sollten: Klimawandel, Gentechnologie, Arbeitsmarkt,
Bildungsmisere, Hartz-Gesetze, Gesundheits- und Rentenreform,
Frauengesundheit, deutsche Kriegsbeteiligungen, Militarisierung nach
innen und außen und der ganzen Welt, EU-Verfassung bzw. -Reformvertrag,
Schnüffelstaat, Terrorangstmache, Folter – alles nicht wichtig, wenn wir
nur CM desavouieren können?
Enttäuscht
Toni
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