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 antony gideens familienpolitik

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frigga



Anzahl der Beiträge : 22
Anmeldedatum : 21.07.07

BeitragThema: antony gideens familienpolitik   Mi Aug 08, 2007 10:32 pm

lieeb frauen
ich schicke einen kurzen bericht von mir zu antony giddens familienpolitikvorschlägen, weil er sich für die Neue Mitte als Blair-berater stark gemacht hat. seine vorschläge sind realistisch und lichtjahre weiter links als der leitantrag für die saar. ich dachte, dass ihr euch leichter bewegen könnt, wenn ihr lest, was 1994 in der SPD die Mitte war, und von woaus wir dann nach links wollen, nicht 100 jahre rückwärts.
übrigens fehlt es dem saarländischen antrag auch an realitätstüchtiger sicht auf die neoliberalen verhältnisse in unserer gesellschaft, obwohl es eine radikale rethorik gibt.
herzlich frigga
"

Inzwischen ist Hausarbeit offiziell Teil des Bruttosozialprodukts, erfreut sich also gesellschaftlicher Anerkennung; vom Weltbruttosozialprodukt sind es etwa 11.000 Milliarden Dollar. Zugleich sind Hausfrauen als Vollzeitbeschäftigung eine aussterbende Gattung. So ist es kein Wunder, dass die nachwachsenden Generationen die Problematik von Hausarbeit und Hausfrauen als veraltet und langweilig empfinden – es ist nicht ihre Fessel und keine sie formierende Perspektive.

Familie

Von der bürgerlichen Kleinfamilie wollte sich die Frauenbewegungsgeneration befreien (dies datiert sogar schon zurück zu Alexandra Kollontai zu Zeiten der russischen Revolution). In der Zweiten Frauenbewegung war es die von uns so genannte „Neckermann-Kleinfamilie“ als Hort von Gewalt, Tyrannei, Abhängigkeit, eine Leben zerstörende Lebensform, gegen die wir kämpften. Was tat der Neoliberalismus mit der Familienform? Zunächst wurde der männliche Ernährer abgeschafft. „Keiner kann mehr mit einem lebenslänglichen Arbeitsplatz rechnen“, verkündeten Schröder und Blair zur Eröffnung der Durchsetzung des Neoliberalismus 1998. Und der Berater der neoliberalen Labour-Partei Antony Giddens erklärt: Da Frauen jetzt gleichberechtigt seien, müsse die Familienform geändert werden, sie müsse demokratischer sein, ja selbst ein Modell, eine Form, in der Kinder Demokratie lernen und gleichberechtigt ihre Konflikte aushandeln. Die Blutverwandtschaftsfamilie sei an ihr Ende gekommen. Er zählt die Phänomene auf: Die Familie, in der uns am ehestens gegenwärtigen Form als Elternpaar mit Kind ist prekär, vom Zerfall bedroht. Die Daten: Hohe Scheidungsraten, wachsende Zahl allein erziehender Mütter, viele von ihnen in großer Armut. 50 Prozent der Kinder wachsen bereits nicht mehr mit ihren leiblichen Eltern auf. Immer weniger Paare heiraten. Zu diesen problematischen Erscheinungen kommen positive, die gleichfalls die Familie alter Form zersetzen: Die zunehmende Gleichheit zwischen den Geschlechtern, erfahrbar als „Vordringen von Frauen auf den Arbeitsmarkt“, geänderte sexuelle Erwartungen und Verhaltensformen und ein neues Verhältnis von Arbeit und Zuhause (107). Gegen solche Phänomene versuchen die Konservativen mobil zu machen. Sie propagieren den Familienerhalt, wo die reale Zersetzung eine andere Sprache spricht; Vaterlosigkeit halten sie für den Grund von Kriminalität, von Teenager-Schwangerschaften, Kindesmissbrauch, Gewalt gegen Frauen. Sie plädieren daher für eine Verschärfung der Scheidungsgesetze, wenngleich das Schicksal der in solchen Beziehungen Lebenden voraussehbar schlecht ist. Sie propagieren monogame Heterosexualität und ächten homosexuelle Beziehungen, wenngleich die Praxis längst anders entschieden hat. Sie sind zudem gegen soziale Unterstützung von Alleinerziehenden.

Giddens konfrontiert die konservative Familienideologie mit der Realentwicklung. Er verweist zugleich darauf, dass die alte Familie auf der Ungleichheit der Frauen beruhte, sie daher bei zunehmender Gleichheit ihre Grundlage verlieren müsse. Auch sind Kinder kein ökonomischer Nutzen mehr, sondern bedeuten erhebliche Kosten. Gerade in den traditionellen Familien gab es zudem Missbrauch und Gewalt. Auch in der Frage der Familie schreibt Giddens die Neuordnung als eine Terrainverschiebung. Auf der als elementar verkündeten Leerstelle Familie gilt es nicht, alte Bestände zu retten und zu bewahren, sondern aus Gegenwärtigem Zukunft neu zu gestalten und zwar mit selbst bestimmter Initiative von unten. Dies geschieht, indem die Familienaufgabe auf die Frage der Qualität des Generationenvertrags reduziert und entsprechend entideologisiert wird. Wie soll die kommende Generation groß werden und wie die Elterngeneration altern? Ein nochmaliger Blick auf die vorhandenen Praxen zeigt, es ist derzeit schlecht geregelt. Kinder wachsen nicht geschützt und behütet auf, die sie meist versorgenden Mütter sind arm. Daher ist auch die Frage der Alleinerziehung nicht moralisch, sondern vom Standpunkt der Beteiligten zu problematisieren. Giddens schlägt für die neue Sozialdemokratie an allen Streitpunkten die progressivste Lösung vor: Scheidungsgesetze sollten nicht verschärft, sondern im Gegenteil erleichtert werden; homosexuelle Paare sollten als Paare leben dürfen und selbstverständlich Kinder großziehen können. Müttern sollte die Berufstätigkeit erleichtert werden, und Vätern sollte der Zugang zu Kindern nicht verwehrt werden, im Gegenteil sollten sie endlich in die Verantwortung gezogen werden. Unter dem Strich bleibt, jeder sollte ohne Staatseinmischung leben, wie er oder sie will; aber in der Frage der Kinder braucht es Verpflichtung und Verantwortung.

Trotz aller offensichtlichen Vorzüge ist auch dieses Modell darauf orientiert, dass Privatpersonen für die Reproduktion von Gesellschaft zuständig bleiben. Wie sich die Gesellschaft wieder herstellt bleibt eine ungesellschaftliche Angelegenheit."

es ist aus einer Broschüre für frauenpolitik, die ich derzeit mit hamburger politikfrauen für dne alltagsgebrauch schreibe
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