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 Irina Palm- was meint Frau dazu?

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ConnySeltmann



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BeitragThema: Irina Palm- was meint Frau dazu?   Mi Jul 25, 2007 2:27 pm

Erstmal danke an Christel an die schnelle Umsetzung von Unterthemen,

ich habe mir mit meinem Süßen gemeinsam auf Empfehlung eines Dritten (O-Ton: ist keine Verherrlichung von Prostitution und ein gut gemachter Film) den Film Irina Palm angesehen.

Jetzt interessiert mich: Gibt es noch andere Frauen und mit welcher Meinung sind diese aus dem Kino gekommen.

Meiner Meinung nach stellt der Film eine Gefahr für die Verharmlosung von Prostitution und ihren Begleiterscheinungen dar:

der Zuhälter ist ein netter Mann, bei dem sich am Ende jede/r im Kino freut, dass er die Frau bekommt, die er für Sexdienste angestellt hat...

die Sexdienste, die diese Frau "verrichtet" sind ja "nicht so schlimm" und werden als Arbeit wie jede andere dargestellt

Dabei will ich es erst mal belassen und freue mich auf Antworten...

Conny
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Rote Nelke



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BeitragThema: Re: Irina Palm- was meint Frau dazu?   Do Jul 26, 2007 10:04 am

Liebe Conny,

ich kenne den Film nicht. Meinst du, es lohnt sich, ihn anzuschauen? Ist er im Prinzip wie "Pretty Woman"? Der Film hat ja einen ähnlichen Plot. Millionär kauft sich Prostituierte, verliebt sich, sie bleiben zusammen. Grundsätzlich sind Filme nie ein Abbild der Realität, immer verklären sie, verfälschen, verherrlichen, reduzieren - und sind in der Regel übertreibend. Das ist in Western so (Böse Indianer, gute Cowboys oder umgekehrt), in anderen Genres auch. Was ist die Aufgabe von Filmen? Jeder/m nach dem Mund zu reden? Zum Träumen zu veranlassen? Zum entspannen? Oder sind sie ansich ein künstlerisches Werk (unabhängig von den Profitinteressen, die ja bedingen,was produziert wird), das nur das wiedergibt, was die/der RegisseurIn aussagen will?

Viele Grüße,
Kersten


Zuletzt von am Fr Jul 27, 2007 8:23 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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ConnySeltmann



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BeitragThema: Re: Irina Palm- was meint Frau dazu?   Do Jul 26, 2007 2:16 pm

Rote Nelke schrieb:
Meinst du, es lohnt sich, ihn anzuschauen?
diese Frage ist mE sehr schwer zu beantworten- ich habe es zumindest nicht bereut, in diesen Film gegangen zu sein- aber ist das dasselbe wie lohnenswert?
Rote Nelke schrieb:
Ist er im Prinzip wie "Pretty Woman"?
Nein, das ganz bestimmt nicht- so idealkitschig ist der Film auf keinen Fall.
Aber das macht es ja vielleicht noch gefährlicher- Pretty Woman war ja nun gar nicht in der Gefahr, diese Welt als real anzusehen.

Soweit erstmal von mir, danke für Deine Antwort.

Conny
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aurora borealis



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BeitragThema: pornografie prostitution   So Mai 25, 2008 8:26 pm

Liebe Frauen, ich möchte aus Robert Jensen und Julie Bindel zitieren. Es bringt meines Erachtens die Verhältnisse auf den Punkt. Robert Jensen: Pornography: The Production and Consumption of Inequality.
Viel zu lesen, aber es lohnt sich.

Zweiter Teil von Julie Bindel, zur Prostitution. Aus dem Grund, weil meines Erachtens Porno die Werbetrommel für die gesamte Sexindustrie ist - und damit für den größten Wirtschaftszweig der Welt, Prostitution. (UNO Angaben, ORF Bericht zu "Ware Frau" von Milborn/Kreutzer). Und damit einher geht ein ganz bestimmtes Frauen- und Männerbild: Männer müssen jederzeit eine Frau haben können. Männer haben quasi ein Recht darauf. Ficken muß immer gehen. Sich selber feiern ist dagegen unmännlich (siehe De bello phallico, Miriam Pobitzer: "Sünde gegen die Natur" (Samen zur Erde fallen lassen, also Onanie) gilt im Christentum auch noch in der heutigen kirchlichen Rechtsprechung als schwerwiegenderes Verbrechen als "Sünde gemäß der Natur", wie Vergewaltigung und Inzest, wo der Mann den Penis in die Frau steckt. (s. 71). Das dürfte sich im allgemeinen Sexbild festgesetzt haben: Ein Mann, der sich selber liebt, gilt als Waschlappen, einer, der im Bordell einen Menschen für seinen einseitigen Sex kauft, dagegen als echter Mann.

Die Linke und die Pornografie

"Als FeministInnen, die sich gegen Pornografie engagieren, gewöhnt man sich irgendwann daran, von der Linken dafür beleidigt zu werden. Ständig müssen wir uns anhören, wie sexfeindlich, prüde, politisch naiv und engstirnig wir sind. Sollten wir uns nicht besser um Krieg, Armut, Erderwärmung etc. kümmern? Die Antwort ist einfach: Wir arbeiten gegen die Pornografie, gerade WEIL wir, als Linke, auch Rassismus UND Sexismus ablehnen, die kapitalistische Vermarktung von Sexualität. Und die Dominanz von Großkonzernen in Medien und Kultur.
Für die Linke sind Massenmedien ein Forum, in dem die herrschende Klasse versucht, eine bestimmte Weltanschauung durchzusetzen. Wir wissen, dass Nachrichten nie neutral sind und dass Unterhaltungsprogramme mehr sind als nur Spiel und Spaß. Die feministische Kritik an der Pornografie steht ganz im Sinne dieser linken Tradition. Denn die Pornografie verhält sich zum Patriarchat wie das Unterhaltungsfernsehen zum Kapitalismus.
Doch wenn es um Pornografie geht, akzeptieren viele Linke widerspruchslos das Argument, Pornografie sei schlicht und ergreifend Fantasie und habe mit der Realität nichts zu tun. Weiße fühlen sich sicherer und in ihrer Unterdrückung der Sklaven bestätigt, wenn sie Bilder von glücklichen Sklaven auf den Plantagen sahen. Männer suchen sich Bilder von Frauen, die Schmerz und Erniedrigung genießen, um so Pornografie zu legitimieren.
Warum erhalten Pornografen von so großen Teilen der Linken einen Freifahrschein? Wenn man hört, wie Linke Pornografie verteidigen, könnte man zu dem Schluss kommen, dass das pornografische Material von Künstlern gemacht wird, die sich in ihrem stillen Stübchen unermüdlich darum bemühen, uns in die Mysterien der Sexualität einzuweisen. Dabei ist nichts weiter von der Wahrheit entfernt, denn die Pornoindustrie ist eben genau das – eine Industrie, die von Produktionsfirmen beherrscht wird, die einen maximalen Profit erzielen wollen.
(Emma 05/07: branchenübliche Gewinnspannen von 500-1000 Prozent „dank“ des billigen Menschenmaterials. Anm.)
Genau wie andere Kapitalisten ignorieren sie dabei die Bedürfnisse der Menschen oder die Auswirkung ihres Tuns. In der Pornografie – und in der Sexindustrie allgemein – ist die Sexualität lediglich ein weiteres Produkt, das abgepackt und verkauft wird. Sobald man diese Bedenken äußert, sind Pro-Porno-Linke sofort mit dem folgenden Argument zur Seite: Die Porno-Darstellerinnen hätten sich die Arbeit ja selbst ausgesucht.

(so ane muaß scho wissen, auf wos sie si einloßt. De kaun si daun ned über Doppelpenetration und Anal beschweren. hört man beständig von Männern, (Linke, in dem Kreis bewege ich mich) wenn sie Aussagen von Pornodarstellerinnen hören, meist von Frauen, die zu dem Zeitpunkt den Ausstieg geschafft haben, und erzählen, welchen Horror sie mitmachen mussten- und dann gezwungen wurden "Es macht mir Spaß" bei schmerzhaften Handlungen vor laufender Kamera zu sagen, oder "Ich bin hier, um richtig durchgefickt zu werden". Anm.).

Und die Umstände, unter denen solche Entscheidungen getroffen werden? Kein Linker würde ein kapitalistisches Unternehmen verteidigen, indem er behauptet, die Arbeiter würden ihren Job doch freiwillig machen. Die linke Kritik gilt nicht den Arbeitern, sondern den Bossen und Strukturen.
Schauen wir einmal den größten Star der Porno-Industrie, Jenna Jameson, an, die ihr Geschäft scheinbar im Griff hat. In ihrem Buch beschreibt sie, wie sie als Teenager vergewaltigt und auf welch unterschiedliche Art und Weise sie lebenslang von Männern benutzt wurde sowie über ihren Drogenmissbrauch. Soviel zu der Person, von der es heißt, sie sei die mächtigste Frau in der gesamten Pornoindustrie.
Das einzige Genre in der Medienwelt, in dem unverhüllter Rassismus bis heute unbeanstandet praktiziert wird, ist die Pornografie: stereotype Darstellungen des schwarzen männlichen Hengstes oder der animalischen schwarzen Frau, der heißen Latina oder der unterwürfigen asiatischen Geisha. Bei den Anbietern von Pornografie läuft das in der Kategorie „interrassisch“.
Wenn es um Pornografie geht, werden Linke, die sich sonst damit brüsten, Machtsysteme und –strukturen zu analysieren, plötzlich zu außerordentlich libertinären Individualisten. Doch Pornografie ist unvereinbar mit einer Welt, in der Menschen die Kontrolle über ihr eigenes Leben haben – was die Vision jeder Befreiungsbewegung heute sein muss." Robert Jensen/Gail Dines
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aurora borealis



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BeitragThema: pornografie prostitution   So Mai 25, 2008 8:27 pm

PORNOGRAPHY TELLS LIES ABOUT WOMEN

PORNOGRAPHY TELLS LIES ABOUT SEXUALITY


Pornografie propagiert die Frau als “sexuell willfähriges Objekt”, und sie zementiert einen Phalluskult samt koitaler Fixierung, wo die weibliche Sexualität schlichtweg nicht existiert. Die wichtigste Botschaft: Eine Frau will immer gefickt werden, so hart wie möglich, von einem so großen und dicken Schwanz wie möglich, am besten von 2 gleichzeitig.


Und Männer glauben das, selbst die Netten, selbst die, die mit ihrer Freundin gut umgehen, selbst die glauben, daß die "freiwilligen" Pornodarstellerinnen - und Prostituierten! – „sexsüchtig sind und durchgefickt werden wollen, denen macht das Spaß". http://parapluie.de/archiv/haut/prostitution/
Sexarbeiterinnen: "Die Männer, die wollen die Traumfrau auf dem Zimmer haben. Wenn ich eine Beziehung habe, die auch länger geht, stöhne ich nicht durch die Gegend oder schrei ordinäre Ausdrücke. Mal stöhnen vielleicht ein bißchen, ja, aber im Bereich des Normalen. Und was die wollen: 'Meine Stute, mein Hengst, mein was weiß ich'. Klar mußt du das [schauspielern]. Oder wenn sie dich dann fragen: 'Kommst du auch?' Depp du Blöder, 'Ja, natürlich komm ich.' Und je mehr du schauspielerst, desto schneller kommen die Männer. Du wärst blöd, wenn du's nicht tust, denn dann hast du mehr Arbeit. Und mehr Arbeit geht dann mehr auf die Psyche. Also machst du's automatisch." Der Kunde bekommt vorgespielt, daß er in diesem Moment der interessanteste und attraktivste Mann für die Sexarbeiterin ist, und daß sie die Zeit mit ihm genießt. So kommt er am schnellsten zu seinem Höhepunkt und hat dabei das Gefühl, sein Geld auch lohnend angelegt zu haben."

Und ja, unglaublich, auch Männer, die ihre Frauen zu Hause verständnisvoll behandeln und die auch die Klitoris finden, glauben das. Man fragt sich da wirklich. Also: Die Propaganda wirkt. Bilder setzen sich im Kopf fest, sie setzen sich an die Stelle der eigenen Phantasie fest. Beide Geschlechter werden pornoprafisiert: Der Mann meint, das mache Frauen Spaß, die Frau meint, sie sei nicht normal, wenn ihr das nicht Spaß macht. Im Frühjahr 08 gab es ein Club 2 zum Thema "Sexuelle Revolution", sowohl Senger als auch die Teilnehmerin von der VSSTÖ sagten, daß ANAL heute im Mainstream als normale Praktik aufgefaßt wird, kamen die jungen Frauen vor 5 Jahren noch in die Beratung, um sich Rat zu holen, wie sie ihrem Freund beibringen können, daß sie das nicht wollen, so kommen junge Frauen heute, um sich Rat zu holen, was sie gegen die Entzündungen und Darminfektionen machen können - Frau kommt gar nicht mehr auf die Idee, daß man hier Nein sagen könnte. "Als in den 70er und 80er Jahren die gesetzlichen Einschränkungen der Pornografie gelockert wurden (...) wurde analer Sex zum Standard in Pornofilmen. Analsex galt als etwas, das Frauen nicht wollen, und war insofern ein besonderer Kick. Als Analsex in der Pornografie zur Routine wurde, verschoben die Gonzo-Pornos die Grenze in Richtung Doppelpenetration und Kehlensex bis zum Würgen." Robert Jensen, Emma 05/07. "Frage: "Ich habe (nach Analsex) Beschwerden, auch entzündlicher Art. Mein Mann glaubt mir nicht und sagt, alle tun es. Gerti Senger: "1. Wurden anale Praktiken erst durch die Internet-Pornos zur vermeintlich (!) selbstverständlichen Praktik, 2. wurde nachgewiesen, dass die Darmschleimhaut nicht zur Spermienaufnahme geeignet ist und entzündliche Reaktionen die Folgen sein können. (Krone, 8.4.08). Eines der Leitmotive der Pornofilme ist, daß Frauen "anders" sind, daß ihnen Schmerz Lust macht. Manche übertragen es dann auf alle Frauen, manche eifrige Pornokonsumenten, die aus instabilen sozialen und persönlichen Verhältnisse kommen (1/8 der Männer gilt als Hochrisikogruppe,(US-Studie von Malamuth/Addison/Koss, Emma 05/07) bei denen die "Erotisierung der Gewalt", die Botschaft, daß Frauen Schmerzen Lust macht, ankommt, bei denen sich die Porno-Szenen (drei von vier Mainstream-Pornos enthalten Erniedrigung und für die Darstellerinnen schmerzhafte Szenen, Workshop für mißhandelte und vergewaltigte Frauen) als Bilder im Kopf festsetzen und in die Tat umgesetzt werden. "Lust"Mörder heißt das dann. Aussagen von Täter, die belegen, daß sie davon ausgehen, daß "Frauen immer gefickt werden wollen", die im "Pornorausch" vergewaltigen oder morden, diese werden mehr, nicht weniger. Die aus den 60ern stammende Katharsistheorie, daß mann sich über Porno abreagiert, und danach weniger aggressiv und „entspannt“ wäre, ist spätestens seit 1979 widerlegt: "Psychologie heute" bestätigt, daß die Kausalität zwischen Pornografie und Sexualgewalt bewiesen ist. (PorNO, Alice Schwarzer, s. 89), der Meese-Report von 1986 in den USA kommt zum gleichen Schluß. Daß Linke zwar bei Rassismus sensibilisiert sind, aber nicht bei Sexismus und sexistischem Rassismus, läßt sich auch daran erkennen, daß Autoren von "konkret" gerne für die Pornografie eine Lanze brechen, daß die ACLU, die größte amerikanische Bürgrechtsorganisation, in den 80ern massiv gegen die Feministinnen zu Felde zog, im Namen der Freiheit für Porno und "Kunst", "Meinungsfreiheit". In den USA fallen auch Snuff-Filme (verfilmte Frauenmorde) unter die "freie Meinungsäußerung". (PorNO s. 135).

Etwas, das noch zu denken geben sollte bei Porno: Prostituierte sind in der Regel keine Pornodarstellerinnen. Zu hart, zu miserabel bezahlt, zu gefährlich: es gilt grundsätzlich ohne Kondom und literweise Sperma schlucken, mindert auch nicht das Risiko. Weiters holt man sich AIDS auch über die Bindehaut - ins Gesicht spritzen gehört aber beim Porno genauso zum Standard wie Anal. Die „Traumgehälter“ sind pure Pornografen-Werbung. (1987 waren 300 DM für einen 90-Minuten-Film die Regel, PorNO, s. 110, Umfrage unter Pornodarstellerinnen).

Was für Prostituierte gilt, gilt auch für Pornodarstellerinnen: 90% wurden bereits als Mädchen missbraucht (letzte UNO-Studie, Alice Schwarzer, Der große Unterschied, 2005, s. 138),
80-90% sind Ausländerinnen, 75% vom gesamten Markt Sexsklavinnen.



Zu Prostitution: Annette C. Anton (Emma 05/07): "Pornografie ist die Fiktion, daß es Sex einfach gibt". Pornografie biete Sex ohne Forderungen, Leistungsdruck und Zurückweisung.

Im Pornofilm beschwert sich keine Frau, keine sagt je Nein und keine will danach reden."

Gleiches gilt für die Prostitution - das ist nicht Sexualität im Miteinander, als gegenseitige erotische Entdeckung, Geben und Nehmen, sexuelle Kommunikation, das ist Konsum der eigenen Triebabfuhr im oder am Körper eines für diese Zeit gekauften Menschen.
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aurora borealis



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BeitragThema: pornografie prostitution   So Mai 25, 2008 8:28 pm

sehr treffender Artikel:

http://www.guardian.co.uk/uk/2006/jan/18/ukcrime.prisonsandprobation

Comment
Eradicate the oldest oppression
The government plan to take on commercialised sexual abuse of women is a historic breakthrough

"It is the oldest oppression, not the oldest profession as often claimed by those who believe prostitution is too hard to eradicate. In what other "job" are drug addiction, homelessness, rape and murder seen as occupational hazards? Few of the many women who have escaped the sex industry describe it as a profession - more paid abuse.
The long-awaited Home Office review of prostitution concludes that it is not a desirable phenomenon; that the women and children caught up in it are abused, not "making a free choice"; and that it is not a victimless crime. Indeed it has gone so far as to say that men who pay for sex are akin to rapists.
After hundreds of years of policy makers and social commentators ignoring the harm inherent in prostitution we now have a clear line from the government. It no longer wishes to sweep this issue under the carpet. Prostitution, the last bastion of men's dominance over women, has been exposed for what it is.
What additional resources will be made available to prevent children being abused in the sex industry, help women out of prostitution and re-educate the customers, we have yet to see. Certainly it would be impossible to elicit change without giving money to projects that work with prostitutes, or running a public-education campaign dispelling the myths of prostitution.
Why, for example, do we have to accept prostitution? Yes, it has been with us for a long time, but so have poverty and racism. We do not hear governments declaring that "racism is here to stay", and suggesting that the best policy is damage limitation and making it more bearable for people who are racially abused, or that we should not make life difficult for the perpetrator, but just accept that some people need to be racist.
For too long men who use women in prostitution have been invisible. Sweden is the only country that has finally recognised that prostitution is not a desirable social phenomenon but an obstacle to equality between women and men. It also recognises that prostitution is a form of violence against women. Because Sweden does not hold up a welcome sign for pimps and customers, the trafficking of women into the country has been significantly reduced, compared with countries where prostitution is legalised or decriminalised.
But why should we take away the livelihoods of women in prostitution? I hear this time and again from those who hand out condoms and clean needles to women on the street and put little effort into helping them escape. Many women support the Swedish law, because it has given them an incentive to ask for support to get out of the sex industry. If the UK, like Sweden, provided readily available drug and alcohol rehabilitation, safe housing and protection from pimps then most women would leave prostitution.
According to an opinion poll in 2004 on the new law, 80% of Swedish citizens support it. As a result, children are now growing up with an understanding that women's bodies are not commodities to be bought and sold, and that prostitution is an infringement of human rights. The customers have more or less reconciled themselves to the fact that women in Sweden are not for sale.
Those hoping to see the government support decriminalisation of brothels will be disappointed by the Home Office review, as will those advocating tolerance zones. Where such zones have been tried they have failed. One zone in Melbourne resulted in street prostitution increasing fourfold. In Amsterdam drug dealing, trafficking and violence towards the women and customers in the zone led to it being closed in 2003.
It is argued that it is safer for the women to work in a legal or decriminalised regime. Prostitution can never be safe. If a buyer decides he wants to hurt a woman, he will simply take her away from the CCTV cameras.
Women in prostitution are stigmatised whether it is legal or not. In Amsterdam, where women are told they must register as prostitutes before they can work, less than 10% of the 25,000 have done so. No one wants to labelled a "prostitute" - what they need is to be assisted out of this daily abuse.
Let's hope the government puts its money where its mouth is. Police need to stop criminalising and punishing women and divert attention to pimps, traffickers and customers. Women in prostitution are constantly in danger of their lives. Ignoring the buyers will only lead to a continuation of complacency. Women need proper alternatives to selling their bodies to earn a crust, but they can only take advantage of such alternatives if we commit to ending prostitution and encourage women to leave. This will never be achieved if those of us living relatively charmed lives believe that prostitution is a job, and that we will never see an end to the commercialised abuse of women and children."
• Julie Bindel is the founder of Justice for Women and advised the Home Office as part of its review on prostitution
juliebindel@yahoo.co.uk
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aurora borealis



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BeitragThema: pornografie prostitution   So Mai 25, 2008 8:29 pm

Zur männlichen Trieb/Aggressionstheorie (Pendant zum "männlichen Trieb" im Patriarchat ist die "weibliche Hörigkeit". Daß der Trieb viel mehr auf psychosozialen Faktoren beruht, also soziales Lernen ist, wird auch dadurch ersichtlich, daß verschleierte Frauen genauso Sexualobjekt sind wie entblößte Frauen: Der Sozialreformer Qasim Anim: "Wenn eine verschleierte Frau an einer Gruppe von Männern vorbeigehen muß, werden die sie vor keiner Grobheit verschonen. Sie werden jede Obszönität aussprechen, die ihnen einfällt. Manchmal stoßen sie die Frau auch oder fassen sie an, obwohl die Frau überhaupt keinen Anlaß dazu geboten hat." Die Grenzen des Geschlechts, Benard/Schlaffer, s. 189)

Triebhaftigkeit, Übermanntwerden von Lust wie von einer übermächtigen, externen Macht...

"Die Neigung, das jeweils andere Geschlecht eher in die Nähe des Kindes und des Tieres zu rücken, besteht bei Mann und Frau.
Enthumanisierungen der Gegenseite sind Bestandteil von Vorurteilen. Da die Machtverhältnisse allerdings eindeutig waren, wirkten sich die Vorurteile immer zum Nachteil der Frauen aus: der Satz „Frauen sind wie Kinder“ führte zu ihrer rechtlichen Entmündigung, während der Satz „Männer sind wie Kinder“ den Zweck hatte, all ihre Verstöße und Missetaten zu entschuldigen. Und die Theorie von der Triebhaftigkeit des Mannes diente dazu, ihm größere Freiräume zu gewähren(...)" Die Grenzen des Geschlechts, Benard/Schlaffer s. 138.

ich meine, daß man mit der Triebtheorie des Mannes auch Angst machen will. Gezielt. Bereits im Mittelalter sah man Prostituierte als Schutz der ehrbaren Frauen - die Huren waren dazu da, Trieb und Aggression der Männer abzufangen. Sprich: Bei ihnen konnte mann sich ausleben. Ich meine, dass Frauen heute bei Porno wegschauen oder die inhärente Botschaft verharmlosen, und Prostitution für gut befinden, weil sie Angst haben, dass sonst Männer gewalttätig werden und sie selber Opfer werden könnten. Die sollen sich woanders austoben… Die Katharsistheorie, zuerst religiös untermalt und dann „wissenschaftlich“ untermauert, die scheint noch in den Köpfen festzusitzen.


Männer verfügen über Frauenkörper:

Ehefrauen waren bis 1975 in der Verfügbarkeit des Mannes, mitsamt Körper und Vermögen. Erst seit 1989 ist Vergewaltigung in der Ehe strafbar. In 53 Ländern ist sie nach wie vor völlig rechtens. In den westlichen Gesellschaften haben Männer kein absolutes Zugangsrecht mehr zu Frauen. Frauen, und damit ihre Körper, sind nicht mehr Besitz. Also sourct mann aus. Auf den Markt der Sexindustrie. Da ist alles noch beim Alten: Das Bett der Prostituierten ist die letzte antifeministische Bastion. Frauen erleben Lust durch die Lust des Mannes, Frauen gefällt Schmerz, das Lustzentrum der Frau, die Klitoris, existiert weder in Bild noch im Ton, die Sprache ist eine "Penetrating Language" (Dr. Gunter Narr), der Mann bestimmt, was die Frau "genießt".


lg, eine Frau, die sich sehr für Erotik und Sexualität interessiert, aber nicht für eine verstümmelte, verformte, nicht für eine, wo der Lebenszweck der Frau die sexuelle Befriedigung und sexuelle Augenweide FÜR DEN MANN ist, sondern für eine selbstbestimmte, egalitäre Sexualität auf Augenhöhe. Gerade Feministinnen haben Sexualität und Erotik immer wieder zum Thema gemacht - trotzdem gelten sie als prüde, lustfeindliche, männerhassende verzopfte schiarche Reaktionäre... sobald sie dem sexuellen Rassismus nicht das Wort reden, ja sich sogar erdreisten, dagegen mobil zu machen. Es dürfte auch nicht von ungefähr kommen, daß jenes deutsche Fotographenpaar (leider Namen vergessen), daß ganz einfach nackte Körper in natürlichen Posen fotografierte (Mann und Frau am Tisch sitzend beim Frühstück) als "Pornografie" in Zeitungen zensuriert wurde. Natürlicher, nackter Körper: pfui! Sich darbietende Frauenkörper für männliche Erregung: Toll! Und es dürfte auch nicht von ungefähr kommen, daß zB Westdeutschland mit den FKK Stränden der DDR ein Problem hatte, jenes Westdeutschland, das nun schon seit über 2 Jahren gegen EU-Recht verstößt, weil es Pornografie mit Minderjährigen ab 15 Jahren erlaubt (als Kind gilt man da nur bis 14, wiewohl Pornografie erst ab 18 konsumiert werden darf, dürfen die Mädchen ab 15 dafür herangezogen werden.... Emma 02/08).



Ich nehme an, daß es erst das Sichtbarwerden eines massiven Problems FÜR Männer braucht, bis etwas getan wird. Mary Anne Layden, Expertin für sexuelle Traumata an der Universität von Pennsylvania über den amerikanischen Porno-Mainstream: "Die Forschung zeigt, daß 40% aller Sexsüchtigen ihre Partnerin verlassen, 58% ernste finanzielle Einbrüche erleiden und zwischen 27 und 40% ihren Arbeitsplatz verlieren." (Emma, 05/08). Die Online-Sexsucht wird als die Männersucht Nr. 1 des 21. Jahrhunderts gehandelt. Gerti Senger - der man wohl nicht Prüderie vorwerfen wird - sprach Selbiges im Club 2 an: Immer mehr Männer sind unter ihren Patienten, Diagnose: Sexsucht. Dazu kommt, daß die reelle Erotik abgetötet wird: Im richtigen Leben findet mann Frauen vor, die mehr sind und mehr von ihm verlangen als seine Wichsvorlagen.

Vorwurf: Packelei mit den Rechten

Der Umstand, dass auch Fundamentale und die Rechte gegen Porno und Prostitution sind (zumindest, gegen ihre Sichtbarmachung) kann kein Argument dafür sein, dass man als Linke/Linker jetzt dafür sein muß, weil die dagegen sind.

Detto gilt für die Wahrung der demokratischen Freiheiten und das Eintreten für Gleichberechtigung und gegen Fundamentalismus: Auch hier wird immer wieder die Totschlagkeule gezogen, dass man/frau dann rechts, rassistisch, intolerant wäre. Das hört Alice Schwarzer (deren Großeltern gegen die Nazis auftraten) genauso wie Ralph Giordano (selbst ein jüdischer Überlebender), Necla Keleg, Ayaan Hirsi Ali, Taslima Nasreen. Es ist wie bei „prüde“: Um ja nicht das Totschlagargument der „Intoleranz“ an den Kopf geworfen zu bekommen, übt sich mensch in vorauseilendem Gehorsam und Beschwichtigung. Wo Unrecht ist, muß man es benennen. Egal, wer noch da ist, um es zu benennen, und egal als wie „chick und inn“ dieses gerade gehandelt wird. Die ILO schlägt in ihrem Papier Frauen die Ausübung von Prostitution vor, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten … in diesen Zeiten der Globalisierung. Das ist also unsere Zukunft: Ab auf den Sexmarkt. Auch eine Art von Arbeitsmarktpolitik. In Osteuropa ist für frau genau das Realität: „In der ehemaligen Sowjetunion führte der Übergang vom Kommunismus zur Marktwirtschaft, der neuen Wohlstand bringen sollte, stattdessen zu einem Rückgang des Einkommens und des Lebensstandards um bis zu 70%.“ (Joseph Stiglitz, Die Chancen der Globalisierung, s.9.)
Das traf zuallerst die Frauen, gleiches gilt für die ehemalige DDR: Vor allem, indem die BRD die technische Ausbildung der Frauen nicht anerkannte, wurden sie als erste vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen. Auch in Österreich sind die „working poor“ vorwiegend weiblich. Die Feminisierung der Armut. Und da also die Lösung: Sexwork.
http://action.web.ca/home/catw/readingroom.shtml?x=16741
(CATW Coalition Against Trafficking In Women)

Im folgenden Artikel kommt dieser Punkt entlarvend direkt zum Ausdruck:

„Schweden konnte sich die Kriminalisierung von Prostitution (der Freier, nicht der Frauen. Anm) auch deshalb erlauben, weil es genug Geld hat, die Prostituierten zu rehabilitieren und ihnen eine Perspektive zu bieten. In Estland geht das zur Zeit nicht." Kärt Anvelt, Postimees - Estland | Freitag, 20. Januar 2006, www.eurotopics.net

Kein Geld für Frauen, sorry, macht die Beine breit.

"Extra Blatt" vom 27. Oktober 1874 sind 6.424 Prostituierte mit Gesundheitsbüchern versehen und stehen unter ärztlicher und polizeilicher Controle. Nach der Ansicht der Polizei leben jedoch in Wien außer den oberwähnten 6.424 noch mindestens 12.000 Frauenzimmer von dem Erträgniß der freien Liebe, können jedoch nicht controliert werden. Diese Mädchen arbeiten zumeist in Fabriken und werden durch den geringen Arbeitslohn zu diesem Nebenverdienst getrieben. Von den conscribierten Dirnen sind 5.312 ledig, 902 verwitwet und 210 verheiratet. Die jüngste derselben ist 15 Jahre, die älteste 47 Jahre alt. (wikipedia).


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aurora borealis



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BeitragThema: pornografie prostitution   So Mai 25, 2008 10:38 pm

WorkingPoor-Löhne liefern Menschenmaterial für den Sexmarkt.

Es hat sich ja viel geändert seit dem 19.Jhd, aber noch immer verdienen Frauen in Österreich (Demokratie, die sich der Gleichberechtigung verpflichtet und CEDAW ratifiziert hat) um 30-50% weniger als Männer (Rechnungshofbericht 2006), die durchschnittliche Männerpension beträgt das Doppelte der Frauenpensi. Österreich ist jenes Land, dass den untersten Schichten am wenigsten Sozialtransfer zukommenläßt (im Gegensatz zu Skandinavien, dort geht an sie die höchste Transferrate), während Österreich bei der Höhe der Transferraten an die obersten Schichten an einsamer Spitze liegt (Europa-Journal, 21.05.08, ö1). Davon profitieren wiederum Männer zuungunsten der Frauen. Frauen sind in der Armutsstatistik überrepräsentiert, bei der Leistungsentlohnung für Erwerbsarbeit herrscht noch immer das Rollenbild aus den Zeiten der industriellen Revolution vor: Männerarbeit gilt als schwer, Frauenarbeit als leicht. Nun haben wir Frauen in Österreich ein relativ gutes Sozialsystem, im Gegensatz zu unseren Schwestern aus Osteuropa, Asien, Afrika, Lateinamerika - wenn die Sexindustrie die einzige Möglichkeit zum Überleben bietet, dann ergreift frau die genauso, wie Kinder sich mit Kinderarbeit am Leben halten. Und so wie Firmen den Zugriff auf Kinderarbeit als humanistische Tat darstellen (wir geben ihnen Lohn), so verpassen Freier ihrem Frauenkörperkauf den Anstrich einer Aktion im Namen des Humanismus. Davon abgesehen, dass „es des jo sowieso gibt, wenn ned i, daun kumt a aundara, i bin zumindest nett.“ Und so machen 70% der Männer in unseren Breiten mit, also auch die Netten, auch die Linken, und schmieren mit ihrem Geld das Getriebe und man wundert sich, dass das Bedürfnis nach diesem Markt jährlich neue Zuwachsraten verzeichnet, dass es quasi ein unstillbares Bedürfnis nach Sexobjekten gibt, in unaufhörlicher Expansion, es muss doch tatsächlich permanent neues Menschenmaterial herangeschafft und zugeführt werden.

Eines bei dem hohen Lohnunterschied in Ö und DT ist interessant: dass es ihn noch immer gibt. Und zwar in diesem Ausmaß. (Im Gegensatz zu Skandinavien oder die USA, wo der Lohnunterschied für gleiche Arbeit im gleichen Betrieb nicht mehr als 1,4% beträgt (Das Geschlecht der Arbeit, Sibylle Hamann und Eva Linsinger, Emma 03/08), ist es das böse System oder liegt es nicht doch auch im Interesse so manch eines Mannes, das der "kleine Unterschied" bleibt? Interessant dabei die Episode aus einem süddeutschen Textilbetrieb: dort forderten 1954 Arbeiterinnen gleiche Entlohnung wie ihre männlichen Kollegen. "Als die Gewerkschaftsvertreter dem Arbeitgeber diese Zusage abgerungen hatten, gingen bei den männlichen Arbeitern die Wogen der Empörung hoch. Scharenweise traten sie aus Protest aus der Gewerkschaft aus. Auch wenn ihnen niemand etwas wegnehmen wollte und sich ihr Lohn nicht verminderte - es war ihnen offenbar fürs eigene Selbstwertgefühl immens wichtig, den relativen Abstand zu den Löhnen ihrer Kolleginnen zu halten." (Hamann/Linsinger)

Frau muß der "andere" Mensch bleiben, am Arbeitsmarkt, und in der "Liebe"
- mußte früher die Ehefrau immer zu Willen sein, kauft mann sich heute diese Willfährigkeit am Sexmarkt zu.

Dass sich Bedürfnisse schaffen und steigen lassen, dass zeigt ja gerade die linke Kritik am Kapitalismus. Leider katapultiert diese angesichts der sexuellen Dimension. Oder zitiert die 68er Regel, dass jeder sexuelle Akt den Menschen besser macht. Man vergaß aber, dass zB die Nazis es trieben wie die Karnickel, die vielen sexuellen Akte aber nicht unbedingt zu ihrer menschlichen Besserung beigetragen hat.
Das Eroscenter in Deutschland bewirbt ihre „sexuellen Dienstleistungen“ damit, dass der Samen gesund ist. Und zwar für die Frau. Das heißt, Sex fördert nicht nur die Gesundheit des Mannes durch die körperliche Bewegung und die Steigerung der Immunabwehr (so der nicht auf ohne Kondom besteht), sondern auch die Gesundheit der Frau. Nämlich durch die gesundheitsfördernde Wirkung des Samens (also doch ohne Kondom?). In De bello phallico von Miriam Pobitzer deckt sie die Wurzeln dieser Theorie auf, und zwar findet man sie bei Galen von Pergamon, ca. 200 n. Chr.: Es sei notwendig, dass der Mann in die Frau ejakuliere, um diese und sich selbst vor der Hysterie zu retten. (s. 102.)
Wenn dem so ist, laut Eros, dann muß mann natürlich eine Frau haben können. Nachdem aber es so gut wie immer die ärmsten und vulnerabelsten Frauen waren, die zum Kauf bereit stehen, sollte wohl der Markt für eine entsprechende Arbeitsmarktgewichtung sorgen.

Dass es mit der Bedürfnisentwicklung auch anders geht, zeigt Schweden: Anfang 1999 wurde das Gesetz kvinnofrid (Frauenfrieden) verabschiedet, es kriminalisiert die Freier. Begründung: Nicht die Ware schafft den Markt, sondern die Nachfrage. "Es geht darum, die Nachfrageseite, die Freier, zu kriminalisieren und nicht darum, seelisch und körperlich ausgenutzte Frauen hinter Gitter zu bringen", sagt der Stockholmer Kriminalinspektor Jonas Trolle. (Spiegel, 11.11.07, Glückliche Huren gibt es nicht)
Die Frauen in der Sexindustrie werden als Opfer der strukturellen Gewalt anerkannt, für sie gibt es Ausstiegshilfen, Wohnplätze, Weiterbildung, Wiedereingliederung in einen Arbeitsmarkt, wo man nicht seinen Körper feilbieten muß und wo Gewalt, Demütigung, Vergewaltigung und Mord nicht zu den ganz normalen Nebenrisiken zählen. Seit Jahren läuft in Schweden öffentliche Bewusstseinsarbeit: Menschen für Sex kaufen widerspricht dem Menschenrecht auf ein freies, würdiges, gesundes, selbstbestimmtes Leben eines jeden Menschen – auch der Frauen. Eine Gesellschaft, die Gleichberechtigung für Frauen will, kann nicht Frauen als käufliche Ware behandeln. In jeder Grundschulen wird gelehrt, dass es unrecht ist, Frauen für Sex zu kaufen. Gleichzeitig ist schon seit langem echter Sexualunterricht integriert, wo nicht dem männlichen Sexualorgan Penis die weiblichen Eierstöcke gegenübergestellt werden… „Die kommende Generation in Schweden wird [Frauenkörper-Kauf für Sex] für noch viel seltsamer halten als wir es heute tun". Jonas Trolle.

Norwegen zog heuer nach, in Luxemburg, Großbritannien und Dänemark wird darüber jetzt breit diskutiert, Finnland hat teilweise nachgezogen und überlegt ebenfalls, dem schwedischen Vorbild in seiner Gesamtheit zu folgen.
http://www.catwinternational.org/about/index.php

Milborn/Kreutzer zeigen in "Ware Frau" auf, daß vor allem Rassisten gerne zu den nach Wien verschleppten Sexsklavinnen aus Afrika gehen. Die kommen dann auch zum "Reden". "Das Schlimmste ist, dass man ihnen immer Recht geben muss. Egal, was für einen Unsinn sie erzählen, du mußt dazu nicken", erzählt eine Prostituierte. (Der große Unterschied, Schwarzer, s. 146) Den Afrikanerinnen wird brachial beigebracht, dass sie immer JA, immer Nicken und niemals NEIN sagen dürfen. Es beginnt bei einem Preis von 30E, sie müssen runtergehen bis 15E, alles inklusive, ohne Kondom. Die „Rechnung“, die sie abbezahlen müssen, beträgt im Durchschnitt 60000E, macht 4000 Freier. Nach 4 Jahren sind die Frauen so kaputt, dass es sehr gelegen kommt, dass nach beendeten Asylverfahren der Staat Österreich für die Menschenhändler gratis die Abschiebung übernimmt. (Jede Erwerbsarbeit ist für AsylbewerberInnen verboten, mit Ausnahme der Prostitution. Die österreichische Gesetzeslage gilt unter Menschenhändlern als „paradiesisch“. (Milborn,Kreutzer).
Meine Freundin in der Ukraine. Sie sagt, ihre Bekannte ist verschwunden, seit Jahren kein Lebenszeichen. Ging zum Arbeiten ins Ausland
Ich denke, in Österreich wird das Problem der verschleppten Frauen aus Osteuropa auch deshalb unter den Tisch gekehrt, weil es ja "nur" die Polinnen, die Ukrainerinnen... sind. Die galten ja vor noch nicht allzu langer Zeit als Untermenschen. Und: Auch während der Zeit des kalten Krieges wurde dieses Gefühl, daß die da drüben nicht so viel wert sind wie unsereiner im Westen, genährt und lebt heute fort wie eh und je. Daß hier Pflege billig mit Frauen "von drüben" finanziert wird, mauert das Denken weiter fest - die sind einfach weniger wert.


Zu den Männern:
Es gibt Männer, die sich dezidiert gegen Pornografie und Prostitution aussprechen, und zwar im Namen der Menschenrechte: White Ribbon. (www.whiteribbon.ca, www.whiteribbon.at). Verein von Männern gegen Gewalt an Frauen. Sie verwehren sich gegen den Biologismus (der Männer zu triebgesteuerten Tieren macht, die aber interessanterweise trotzdem richtig sind für die Spitzen von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, Medizin und Soziales) und sie sprechen sich dagegen aus, daß Männer einen Zugriff auf Frauen "brauchen" – brauchen in Bild, Ton und Bett. In GB und USA demonstrieren sie mit den Feministinnen gemeinsam gegen die Sexindustrie.
Bei der Konferenz gegen Gewalt an Frauen im November 07 in Wien, sagte die Delegation aus Schottland: Was kann öffentliche Bewußtseinsarbeit gegen Gewalt an Frauen ausrichten, solange die Sexindustrie Männern die Botschaft mitgibt: Du kannst Dir jederzeit eine Frau kaufen und dann mit ihr all das machen, was Du willst. -
Solange sich jeder Vergewaltigungen übers Internet reinziehen kann. -
Solange faschistoide Bilder von Helmut Newton im Museum hängen, die aufgehängte, ermordete Frauen zeigen, Siegfried zeigt eine Dogge in Fickstellung zwischen den gespreizten Beinen einer Frau mit Fesseln. Die Vergewaltigung durch Hunde war eine klassische Foltermethode in Diktaturen, gerne von den Nazis angewendet, sehr wirkungsvoll.
Solange arme Mädchen und Frauen nichts bleibt außer sich Feilzubieten am Sexmarkt. -

Schottland hat übrigens eine sehr gute Kampagne gegen Gewalt an Frauen durchgeführt: www.zerotolerance.org.uk


Dazu auch Jensen: "Die Pornoindustrie ridikulisiert jede gesellschaftliche Debatte über die Bedeutung von Intimität und Sexualität als prüde und repressiv.

Sie will das Nachdenken über Sexualethik verhindern.

Dabei hat sie selbst natürlich durchaus eine Sexualethik: die des Anything-Goes. Es ist richtig: Erwachsene Menschen sollen selbst entscheiden dürfen, das finde ich auch. Aber in einer Gesellschaft, in der die Macht ungleich verteilt ist, bedeutet Anything-Goes: Für Männer geht alles - auf Kosten von Frauen und Kindern.

Kritik an Pornografie üben heißt, sich hinstellen und sagen, daß Menschen wichtiger sind als die Profite der Pornoindustrie und das Vergnügen der Pornokonsumenten. Es heißt schlicht und einfach: Frauen sind keine Untermenschen, sondern genauso ernst zu nehmen wie Männer." (Pornography: The Production and Consumption of Inequality, Robert Jensen, in: Emma 05/07.)
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BeitragThema: Re: Irina Palm- was meint Frau dazu?   Heute um 10:15 pm

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